Sonntags nach der Pokal-Pleite gegen einen Gast …
von Timo Görner
… für den es noch um 2 Dinge geht. Den Klassenverbleib zu sichern und wieder den Thüringen-Pokal zu holen. Bei uns geht es um Punkt 1, man darf gespannt sein, wie sich die himmelblaue Elf präsentieren wird.
Die Saison unseres Gegners bisher:
Bei 2 Absteigern könnte sich der ZFC recht entspannt geben, wären es 10 Punkte zur "roten Zone" bei nur noch 4 Spielen. Sollte der Meister der Staffel die Relegation nicht schaffen, sähe es ein wenig anders aus. Mit 32 Punkten sind es momentan 4 Zähler auf Rang 16. Eine passable Ausgangsposition, aber es bleibt ein schwieriger Kampf eventuell bis fast zum letzten Spieltag. Chemie Leipzig zuletzt deutlich im Aufwind, der Greifswalder FC hat zumindest vom Kader her durchaus das Potential für einen soliden Endspurt. Grundproblem in dieser Spielzeit, im heimischen Revier gab es insgesamt etwas zu wenig. Auswärts sind die Ost-Thüringer durchaus ordentlich unterwegs.
Die ersten 5 Begegnungen blieb "Zipse" erstmal ohne Sieg. Konnte zumindest 3 Remis einfahren. Die beiden Niederlagen bei Lok (0:1) und dem heimstarken FSV Zwickau (0:2) waren alles in allem im Rahmen der eigenen Möglichkeiten. Unbefriedigend das 1:1 gegen Abstiegskandidat Eilenburg. Ordentlich das 1:1 beim BFC Dynamo. Der Nachholer bei Hertha BSC II vom 1. Spieltag wurde 3:2 gewonnen. Vor dem Hinspiel dann Licht und Schatten. Positiv blieb das 3:3 in Erfurt nach zwischenzeitlicher Führung zum 2:1. Wichtig das knappe, aber verdiente 2:1 gegen Zehlendorf. Auch in Halle beim damals kriselnden HFC leistete die Mannschaft ordentliche Gegenwehr. Schaffte nicht mehr das 1:1. Etwas ernüchternd die 0:3-Klatsche im "kleinen Thüringen-Derby" gegen Jena. Gegen uns dann ein "gebrauchter Tag", der CFC da mit einem seiner besseren Spiele.
Wechselhaft ging es weiter bis zur Winterpause. Erfreulich die enorm wertvollen Erfolge in Babelsberg (3:2), bei der BSG Chemie (2:0). In Luckenwalde gelang in der Nachspielzeit der Ausgleich zum 2:2 nach Rückstand wenige Minuten zuvor. Auf der anderen Seite holte sich Hertha BSC II auf der Glaserkuppe ebenfalls die 3 Punkte ab. Tendenz damals: auswärts lief es vergleichsweise besser. Umso dicker das Achtungszeichen zum Auftakt der Frühjahrsrunde, wurde Zwickau 4:0 nach Hause geschickt. Das Jahr 2026 blieb ein Wechselbad der Gefühle für die Fans und Verantwortlichen. Gewonnen in Jena (2:1), 4 Tage später die 1:5-Abfuhr in Eilenburg. Halle wird 3:2 besiegt, gegen Preußen gleich darauf 2:3 verloren.
Die Rot-Weißen eine "Wundertüte". Nach zuletzt 3 Niederlagen in Folge ist die Lage wieder schwieriger geworden. Zu Hause keine Punkte gegen den BFC Dynamo (0:1) und zuletzt arg ersatzgeschwächte Erfurter (0:3). Das Duell nach uns gegen Chemie dürfte "Endspiel-Charakter" haben. Ein Sieg und es wäre geschafft. Zum endgültigen Abschluss der Saison geht es zum Pokalendspiel nach Jena. Als Titelverteidiger. Sowohl zu Hause als auswärts wurden 16 Zähler geholt, auch die Torbilanzen ähneln sich stark mit 21:25/19:26. 40:51 Tore insgesamt sind die zwölftbeste Offensive und defensiv Rang 13.
Delegierungen seit dem Hinspiel:
Es gab 1 Abgang, dafür 2 Neue in der Winterpause.
Rechtsverteidiger Jan Halasz (25) kehrte in seine tschechische Heimat zurück. Wechselte zu Drittligist Motorlet Prag. Kam auf 8 Spiele in der Anfangself. Blieb damit 1 ½ Jahre in Meuselwitz, seine erste Station außerhalb unseres Nachbarlands.
Als Neuzugang wurde Innenverteidiger Niklas Jeck (24) präsentiert, bis Ende der Vorsaison beim bayrischen Regionalligisten FV Illertissen. Ausgebildet beim Pokalgegner vom Mittwoch. 2021 per Ausleihe zu Erstligist Union Titus Petingen nach Luxemburg. Stationen danach Wormatia Worms und der FV. Dort mal Startelf, mal Ersatzbank. Mittelstürmer Felix Pilger (23) kam aus Zwickau, beim FSV ohne den endgültigen Durchbruch und im Herbst 2025 immer weniger berücksichtigt. Bilanz: 37 Spiele – 5 Tore. Viel Erfahrung in dieser Liga aus den Anstellungen in Babelsberg, Fürstenwalde, beim Berliner AK und Tennis Borussia.
Die sportliche Leitung:
Georg-Martin Leopold (48) hat nach wie vor das Sagen für die Erste Mannschaft. Das im 3. Jahr beim ZFC. Bilanz: 115 Spiele – 45 Siege – 26 Remis – 44 Niederlagen, 201:179 Tore. Der Verein ist wie bekannt sehr zufrieden mit ihm, der auslaufende Vertrag wurde dann auch vor wenigen Tagen verlängert. Verantwortlich auch als Sportlicher Leiter und Teamplaner, Inhaber der umfassenden UEFA Pro-Lizenz. Als Co-Trainer arbeitet weiter Holm Pinder (55), Roman Linke (39) coacht die Keeper. Enrico Scheil (50) unterstützt als Mannschaftsleiter.
Das Spieler-Kollektiv:
Im Tor ist Lukas Sedlak (26) die klare Nr. 1, stand in allen Punktspielen im Kasten. Justin Fietz (23) durfte 3-mal im Landespokal ran, Chris Kroner (33) ist noch komplett ohne Spielpraxis.
Der ZFC spielt hinten normal die Viererkette, schwenkte gegen Erfurt zuletzt auf ein 5-4-1 um. Mit wenig Ertrag wie bekannt. Am Sonntag dürfte es wohl wieder das Zurück geben. Die feste Größe als Innenverteidiger ist Ben Nitschke (23). 2023 von Chemie Leipzig nach Meuselwitz gekommen. Den Ausbildungsverein lasse ich aus Gründen mal außen vor. Zeitweise im Stammkader ist zudem Felix Rehder (23/2). Routinier Fabian Raithel (30) spielt diese Saison kaum eine Rolle. Winter-Neuzugang Niklas Jeck (24) konnte sich noch nicht endgültig durchsetzen. Links spielt David Pfeil (24/1) eine solide Serie. Kann zufrieden sein, mit guten 5 Torvorlagen. Rechts gilt Elias Ndukwe Oke (21) als wichtig.
Im Mittelfeld gibt es die "Doppel-6". Die Position kann Cemal Kaymaz (28/2) ausfüllen, in der Frühjahrsrunde zeitweise verletzt raus (Wade). Nur zeitweise von Beginn an auf dem Platz. Klarer Fixpunkt Leon Schmökel (30). Wichtig noch Hendrik Wurr (30/1). Theo Teßmer (19) als "Eigengewächs" hat den Status "Perspektivspieler". "8er" Eric Stiller (24/2) kommt auf 4 Torbeteiligungen, zweiter Ex-Auerbacher neben Wurr. Einziger Außenbahnspieler ist Rechts Nick Seidemann (19), siehe Teßmer. Klarer Eckpfeiler offensiv zentral bleibt Kapitän René Eckardt (36), im 5. Jahr beim ZFC. Bilanz: 154 Spiele – 37 Tore – 47 Vorlagen. Stammkraft normal auch Luca Bürger (29), bis zur Winterpause aber raus durch Kreuzbandriss. Im Frühjahr 2026 mit 5 Einsätzen in der Anfangself, bereitete 2-mal vor. Bastian Burghold zählt zum Kreis von Teßmer, Seidemann.
Im Angriff überragt unser Ex-Kicker Florian Hansch (30) in der Sturmmitte mit einer ganz starken Saison, bereits 13 Treffer stehen auf der Habenseite. Absoluter "Matchwinner" beim 3:2 gegen den Halleschen FC mit "Dreierpack". Gegen Erfurt wegen "Rot-Sperre" auf der Tribüne und schmerzlich vermisst. Gleiche Position für die Vereins-Ikone Andy Trübenbach (34/7). Torschütze beim Hinspiel per Elfmeter. Felix Pilger (23) als 2. Neuer aus der Winterpause muss auch hier kämpfen, um sich seinen Stammplatz zu erobern. Rechtsaußen Christoph Pauling (25/1) überzeugt als einer der Top-Vorbereiter der Staffel. Legte 8-mal auf. Auf dem linken Flügel läuft es für Luis Fischer (21/5) nach der Rückkehr vom CFC eher mittelprächtig. Beim 1:4 im Herbst verletzt, nur sporadisch in der Anfangsformation. Califo Baldé (26), aus Guinea-Bissau schaffte deutlich mehr Berufungen.
24 stehen mittlerweile im Kader. 26,2 Jahre im Schnitt überbieten nur Greifswald und der 1. FC Lok. Die Situation der Verträge ist bemerkenswert. Nur 3 aus dem Aufgebot haben einen Kontrakt über die Saison hinaus. Sedlak, Pilger und Schmökel. Da steht reichlich Arbeit in Haus, zumal die Ligazugehörigkeit ja noch nicht definitiv ist.
Die Transferbilanz:
12 Neue gab es bis heute, 10 vor der Winterpause.
Von den 10 konnten sich Elias Ndukwe Oke, Cemal Kaymaz (Chemie Leipzig), Eric Stiller (Zehlendorf), Andy Trübenbach (Erfurt), Califo Baldé (Wismut Gera) wenn einsatzfähig überwiegend für die Anfangsformationen empfehlen. Baldé dabei als Neuzugang von einem Oberliga-Absteiger. Dem Rest gelang dies so nicht, wobei 3 Akteure aus der eigenen U19 kamen und man dass von diesen so nicht erwarten konnte. Luis Fischer läuft wohl ein wenig unter den Erwartungen, wenn auch mit durch Verletzung in der Herbstrunde. 2023/2024 allerdings mit deutlich mehr Startelf-Spielen.
Felix Pilger (Zwickau) kam beim ZFC nur schwer in Gang, die ersten Spiele nicht im Kader. Bei Niklas Jeck läuft es etwas besser.
Fazit insgesamt: ganz ordentlich.
Gewinner der Saison bislang:
Califo Baldé könnte man da sehen. Empfahl sich mit sehr guten 13 Toren bei Wismut Gera, die aus der Oberliga abgestiegen waren. Konnte sich in Meuselwitz eine Liga höher gut behaupten.
Krankenlager / Strafbank:
Christoph Pauling musste zuletzt wegen einer Oberschenkelzerrung passen. Am Sonntag eventuell zumindest wieder im Kader. Andy Trübenbach fehlte wegen muskulärer Probleme.
Florian Hansch fiel gegen Erfurt wegen Sperre aufgrund Roter Karte gegen den BFC (Notbremse) aus. Ist aber am Sonntag wieder spielberechtigt.
Prognose:
Es wird knapp für Platz 15, aber sollte reichen. Möglich, dass Florian Hansch in dieser entscheidenden Phase mit seiner tollen Verfassung der letzten Wochen veritabel helfen kann.
Bilanz gegen unseren Gegner:
Ein Jubiläum steht an, das 20. Duell.
Wir liegen deutlich vorn mit 11 Siegen gegen 4 Niederlagen bei 43:15 Toren. An der Gellerstraße konnten wir 6-mal einen vollen Erfolg feiern und gingen nach 1 Partie bedröppelt vom Platz. Am 27.04.2024 mit 1:2. Das zweite Tor der Thüringer erzielte übrigens Florian Hansch. Zuletzt hieß es 4:0 in Chemnitz und 4:1 in der Hinrunde. Das 4:0 beendete eine "schwarze Serie" von 3 Niederlagen in Folge gegen den ZFC.
Das Umfeld / Wirtschaft / Stimmung:
Die Atmosphäre beim ZFC vor den entscheidenden 4 Begegnungen der Frühjahrsrunde 2026 ist sicher angespannt, aber positiv. Der Klassenerhalt ist klares Ziel, man hat es immerhin in der eigenen Hand. Unruhe seitens der Vereinsführung gibt es zumindest so nach außen nicht, man vertraut dem Cheftrainer und seinem Stab. Der Abstieg in die Oberliga wäre eine erhebliche Zäsur. Keine existentielle Bedrohung, aber sportlich ein ziemlicher Einschnitt. Die 5. Liga in Nordost Süd ist wie bekannt alles andere als eine attraktive Liga. Allenfalls der VFC Plauen und VfB Auerbach genießen einen gewissen Bekanntheitsgrad und entsprechende Anhängerschaften. Die wirtschaftliche Seite der Thüringer gilt als solide aufgestellt. Große Sprünge werden nicht geplant, die 3. Liga ist auf der Glaserkuppe kein Thema. Die Regionalliga Nordost zu halten gilt als das grundlegende Ziel.
Der Zuspruch in dieser Saison in der "Bluechip-Arena" liegt im Schnitt bei 782 Fußballfreunden. Platz 13 in der Zuschauertabelle. Vor dem FC Eilenburg und den Berliner Vereinen, abgesehen vom BFC Dynamo. Letzte Spielzeit waren es etwas mehr mit 863, 2023/2024 lag man immerhin knapp unter den 1.000 – 941. Tendenziell also ein eher stetiger wenn auch nur leichter Rückgang. Nach dieser Spielzeit könnte mit dem 1. FC Lok Leipzig oder dem FC Carl Zeiss Jena ein Club mit gutem Besuch wegfallen. Eben diese sorgten für die beiden besten Werte. Der Meister mobilisierte 1.881, Jena zum "kleinen Thüringen-Derby" deren 1.621. 2 von 6 Begegnungen mit vierstelligem Besuch. Der CFC brachte es auf 1.085. Tiefpunkt des Interesses waren die Gastspiele der Hauptstadt-Vereine. So lockte Hertha BSC II 327, selbst der BFC Dynamo war mit 438 klar unter dem Schnitt. Zum Pokal-Duell gegen den Karlsruher SC wurde es wesentlich kuscheliger - 4.269. Richtig voll dürfte die Arena noch mal am 03.05.2026 werden, wenn das "Abstiegs-Endspiel" gegen Chemie Leipzig ansteht.