Vorbericht

8. Spieltag - Regionalliga Nordost - Saison 2020/2021
Hertha BSC Berlin II
Hertha BSC Berlin II
1:0
Chemnitzer FC
Chemnitzer FC

Rehabilitierung im "Teil 2 der Berliner Woche" …

von Timo Görner

… nach dem BFC, mit Hertha BSC II und vor dem Heimspiel gegen den BAK. Auch wenn der Gastgeber zuletzt "überschaubar erfolgreich war", dürfte eine derart blasse Vorstellung wie am Mittwoch nicht reichen, um dort etwas mitzunehmen.

Das letzte Spieljahr unseres Gegners:

Nach Platz 4 in 2018/2019 rangierte die Hertha U23 diesmal auf Rang 5. Veritable 9 Punkte bei 1 Spiel mehr waren es zu Staffelsieger Lok. Mit dem Aufstieg hatten die Berliner im Grunde insofern nur etwas zu tun, dass es einen Vorschlag gab, den Meister und Teilnehmer zur Relegation in einem Viererturnier mit den Leipzigern, Cottbus, Altglienicke und Hertha II auszuspielen. Ein Modell, was von Anfang an wenig Unterstützung fand und wohl auch mit Recht durchfiel.

Aus 23 Spielen holten die Blau-Weißen 38 Punkte, 22 in den fremden Stadien als beste Auswärtsmannschaft. 7 der 12 Spiele dort wurden gewonnen, nur 4 verloren. Beeindruckend 30 Treffer. Kein anderer war als Gast torhungriger. Entscheidend, dass man ganz oben nicht angreifen konnte, war die nur durchschnittliche Heimbilanz mit 5-1-5 und die Ergebniskrise ab Runde 13.

Bis Spieltag 13 sah es sehr gut aus, galt die U23 als ernsthafter Kandidat für den Staffelsieg. Die Hauptstädter hatten 28 Punkte eingefahren, die klar beste Tordifferenz (+26). An der Tabellenspitze ein spannender Dreikampf. Altglienicke punktgleich dahinter, Lok 1 Zähler weg. Cottbus in "Lauerstellung" bei 8 Punkten dahinter. Nordhausen musste 11 Punkte aufholen und war weg vom Fenster.

Beeindruckend die Offensiv-Power. 44 Tore ergaben den Schnitt von 3,3. In 6 Begegnungen erzielte Hertha II 4 und mehr Tore. Rathenow (6:0), Cottbus (5:2) wurden zu Hause vom Platz gefegt. Auswärts Bischofswerda (7:2) und Auerbach (5:1). Die einzigen Niederlagen wurden zum Auftakt bei Lok (1:2) und gegen Nordhausen (0:2) eingefahren.

Ab da wurde entscheidend Boden verloren, beginnend mit dem Patzer gegen Halberstadt (2:2). Bis zur Winterpause folgten nur noch 4 Punkte und gingen alle 3 Spiele gegen die Mitkonkurrenten verloren. Bei Altglienicke (0:3), in Cottbus (1:3), gegen die Blau-Gelben (1:2). Folge der Absturz auf Rang 4 mit 7 Punkten auf den neuen Tabellenführer aus der Lausitz. Die Chancen signifikant gesunken.

Im Frühjahr ging es dann auch nur durchwachsen weiter. Überraschende Heimpleite gegen Auerbach (1:2), auch die Ortsderbys beim BAK (1:3), gegen den BFC (4:7) gingen daneben. Siege gegen Meuselwitz und Rathenow blieben wertlos. Einer ganz starken Zeit bis Spieltag 13 folgte eine maue Bilanz.

Delegierungen für diese Saison bislang:

Wie bei einer U23 üblich gab es viele Veränderungen. Spieler rückten in den Profikader auf oder wurden wegen fehlender Perspektive für die 1. Mannschaft ausgemustert. 13 gingen, 12 kamen.

Luis Klatte (20/Rostock), einer von 5 Keepern, er mit 7 Einsätzen. Wechselte in die 3. Liga und verließ den Hertha-Nachwuchs nach 8 Jahren. Linksverteidiger Niko Bretschneider (20/Duisburg) spielt ebenfalls eine Etage höher. Im Angriff erhielt Jessic Ngankam (20) die offizielle Berufung für den Bundesliga-Kader nach bereits 4 Spielen dort in 2019/2020. Empfehlung: 11 Tore und Vorlagen in der Regionalliga. Im Sturm kehrte Muhammed Kiprit (21/Uerdingen) erst vor wenigen Tagen Hertha BSC den Rücken und stieg in die 3. Liga auf. Er kam auf immerhin 3 Tore in den ersten 5 Spielen.

Der Rest spielte keine nennenswerte Rolle.

Bei den Neuen gab es 7 interne Wechsel aus der U19, zwei Akteure kamen von den Profis. Des Weiteren zwei externe A-Jugendliche und nur 1 aus einer externen Berliner Herrenmannschaft.

Für das Tor zog es den Polen Marcel Lotka (19/Bayer Leverkusen U19) zu Hertha II. Stammspieler in der Bundesliga Staffel West, dazu 15 Länderspiele für die U16 bis U19 seiner Heimat.

Für die Abwehr kamen gleich 3 Innenverteidiger mit dem Niederländer Omar Rekik (19), Sonny Ziemer (19) und Florian Baak (21). Rekik und Ziemer spielten in der U19, Baak kam aus dem Erstliga-Aufgebot. Kam dort über 3 Kurzeinsätze nicht hinaus. DFB-Auswahlkicker von U15 bis U20.

Im Mittelfeld gilt Jonas Dirkner (19) als "6er", offensiv ausgerichtet hingegen Jonas Michelbrink (19), ebenfalls U19. Der erwähnte einzige externe Neue aus einer Herrenmannschaft ist der Deutsch-Türke Cihan Kahraman (21/Berliner AK), wie Michelbrink für Kreativität zuständig. Bilanz beim BAK: 14 Spiele – 3 Tore.

Im Angriff wurden gleich 5 vermeldet. Der Schweizer Ruwen Werthmüller (19) ist einer der A-Jugendkicker. Überzeugte in der Bundesliga mit 9 Treffern. Aktueller U19-Spieler der Eidgenossen. Ensar Aksakal (19) spielte bei Lokalrivale Union U19. Die anderen 3 haben "Stallgeruch" mit dem Deutsch-Kroaten Maurice Covic (24) und Justin Weber (19) auf Linksaußen sowie dem Ungarn Palko Dárdai (21/Rechts). Bemerkenswert das mit Covic und Dardai zwei Söhne von Ex-Trainern aus dem Profikader abberufen wurden.

Die sportliche Leitung:

Andreas Neuendorf (45) geht in seine 2. Saison als Chef der U23. Bekannt als langjähriger Spieler der Hauptstädter, bestritt 196 Spiele für die Blau-Weißen bei 18 Toren und 15 Vorlagen. Weitere Stationen waren Leverkusen und Ingolstadt. 2014 das Ende der aktiven Laufbahn in seiner derzeitigen Mannschaft. Danach der Start als Trainer für 1 Jahr beim BFC Preußen, 2015 der Einstieg in der Hertha-Jugend.

Seine Co-Trainer sind die Türken Malik Fathi (36) - ebenfalls Ex-Kicker der Hertha und Levent Selim (47). Die Torhüter trainiert seit Februar Max Steinborn (32), zuvor bei mehreren unterklassigen Thüringer Vereinen im Kasten. Alfred Bär (42) fungiert als Teammanager.

Das Kollektiv:

Im Tor kamen bereits 3 zum Einsatz, die meisten Spiele absolvierte bislang Nils Körber (23). Er ist die aktuelle Nr. 3 der Profis hinter Rune Jarstein und Alexander Schwolow. Daneben vertrauten die Trainer auf Florian Palmowski (19/2) und den Polen Marcel Lotka (19), der in den letzten 2 Partien das Tor hütete.

Als Innenverteidiger haben die Neuzugänge Florian Baak (21) und Omar Rekik (18) die meisten Einsätze als Stammspieler aufzuweisen. Rico Morack (32), Maximilian Gurschke (20), Sonny Ziemer (19) und Christalino Atemona (18) gelten hier als Ergänzungsspieler. Auf der rechten Seite ist Kapitän Tony Fuchs (30) die Nr. 1. Die Viererkette in Bautzen hieß Netz – Rekik – Baak – Fuchs. Mit Luca Netz (19) lief ein Spieler der U19 auf.

Im defensiven Mittelfeld gilt Jonas Dirkner (18) als etabliert. Maximilian Storm (21) ist eine Alternative wie Julian Albrecht (19). Bei den offensiven Akteuren haben sich Cihan Kahraman (21) und Jonas Michelbrink (19/1) als die tragenden Kräfte erwiesen, Letzterer mit ordentlichen 3 Torvorlagen.

Im Angriff muss man den Abgang von Kiprit verkraften. Mit ihm ging der erfolgreichste Stürmer der ersten Begegnungen. Linksaußen steht der Deutsch-Kroate Maurice Covic (22) parat. Ensar Aksakal (18) ist "Joker". Justin Weber (19) wartet noch auf seinen Einsatz. Ruwen Werthmüller (19/2) hat sich wie erwartet in den Stamm gespielt, traf am Mittwoch zum Ausgleich in Bautzen. Auf Rechts ist es mit Palko Dárdai (21/2) ein weiterer Filius eines Ex-Trainers der Profis. Dahinter kommt Timur Gayret (18).

Mit 21 Spielern ist der Personalbestand aktuell für eine U23 und ganz besonders bei Hertha BSC II recht klein, zum Vergleich: im Vorjahr waren es am Ende 43 (!) Akteure inkl. 5 Keeper, die immer oder vorübergehend durch Abstellungen von oben zum Team gehörten. Davon wurden auch alle mindestens 1x eingesetzt.

Krankenlager / Strafbank / Parteistrafen:

Cihan Kahraman (21) im offensiven Mittelfeld fehlt seit Anfang September wegen muskulären Problemen.

Die aktuelle Saison bislang:

Es ist derzeit reichlich Sand im Getriebe, die Neuendorf-Truppe wartet seit 5 Begegnungen auf einen Sieg, dies nach optimalem Start gegen Vorjahresmeister Lok (3:1) und beim BFC (2:1). Zwei Teams, die allerdings am Anfang schwer in die Gänge kamen. Der Dreier bei den Weinrot-Weißen war der letzte volle Erfolg, mehr als 2 Remis bei Chemie und in Bautzen gegen Bischofswerda (je 1:1) war nicht drin.

Dagegen standen 2 deutliche Niederlagen im Ortsderby gegen den BAK (2:5) und in Jena (0:3), enttäuschend auch das Heim-1:2 kurz vor dem Abpfiff gegen Aufsteiger Luckenwalde. Am vergangenen Mittwoch sah es schon nach der 4. Niederlage in Folge aus, ehe Ruwen Werthmüller 2 Minuten vor dem Ende noch das Remis sicherte.

8 Punkte aus den ersten 7 Spielen als 12. sind 10 weniger als zum gleichen Spieltag der Vorsaison, damals waren die Blau-Weißen sogar Tabellenführer. Im eigenen Stadion sind 14 aktuell besser, der Saldo mit 1-0-2 negativ. Der CFC reist allerdings auch als derzeit schlechteste Auswärtsmannschaft an, ist eine von nur zwei sieglosen Kollektiven auf fremdem Platz neben Tennis Borussia.

Perspektive für das Spieljahr:

Mit dem Aufstieg wird man diesmal wohl nichts zu tun haben, mit dem Abstiegskampf aber auch nicht. Realistisch erscheint ein Platz zwischen 7 und 10. Generell sind die U23 Mannschaften bekanntermaßen aber schwerer einzuschätzen, aufgrund der teils kurzfristigen personellen Veränderungen.

Die Bilanz gegen Hertha BSC II:

Es ist immerhin bereits das 14. Duell, einschließlich des DFB-Pokals von 1993. Die Bilanz spricht knapp für die Berliner mit 6 Siegen gegen CFC, der wiederum 5-mal gewann.

In Berlin verließen wir 2-mal als Sieger den Platz, nach 5 Duellen als Verlierer. Die letzten beiden Begegnungen wurden mit 3:1 und 1:0 absolviert, im Frühjahr 2011 kassierten die Himmelblauen ein 0:2. Schafften aber am Ende den Aufstieg in die 3. Liga.

Insgesamt wurden 22:24 Tore aus unserer Sicht verbucht.

Das Umfeld / Stimmung / Wirtschaft:

Nicht viel Neues aus dem "Dunstkreis" der Hertha BSC U23. Eine Auflösung der II. Mannschaft wie vor Jahren in Frankfurt/M., Leverkusen, Dresden, Karlsruhe, Chemnitz u. a. ist kein Thema, nirgendwo ist die Verzahnung zwischen U19, U23 und Profikader so eng wie beim Bundesligisten aus Charlottenburg. Auch in dieser Saison wurden mehrere Akteure aus der A-Jugend in die U23 geholt, eine weitere Laufbahn in der 1. Mannschaft nicht ausgeschlossen. Die 3. Liga mit ihren höheren Anforderungen als in der Regionalliga würde man als neue Spielklasse gerne annehmen, allein sie scheint seit Jahren unerreichbar. Auch in dieser Saison sehen die Experten aus Berlin eher Viktoria und Altglienicke als aussichtsreicher an.

Heimstätte der U23 ist nach wie vor das "Olympiapark-Amateurstadion" mit einer Kapazität von 5.400 in Sichtweite des Olympiastadions. Für die Regionalliga auch bei "sicherheitsrelevanten Spielen" genügend. 2018/2019 fanden sich im Schnitt 443 Fans ein, zu den diesmal 12 Begegnungen im Vorjahr relativ deutlich mehr bei 723. Den besten Besuch sah der Heimauftakt gegen Drittligaabsteiger Cottbus, wo 2.224 mit dem entsprechenden Anteil Gästefans die Ränge bevölkerten. Babelsberg als "Fast-Ortsderby" motivierte 925. Gegen Auerbach wollten hingegen lediglich 293 die Darbietungen auf dem Rasen sehen.

Für diese Saison sind bei den Profis durch den Berliner Senat derzeit nur 5.000 im Olympiastadion zugelassen, damit weniger als 20% und erheblich weniger als die erhofften 14.895. Bei der II. Mannschaft geht es noch strenger zu. Gegen Lok durfte niemand ins Stadion. Gegen den BAK waren dann 400 Zuschauer erlaubt, die Tickets gingen aber nur an Mitglieder. Gästefans waren nicht zugelassen, 175 sahen dann das Ortsderby. Gegen Luckenwalde fanden sich 54 ein. Himmelblaue Fans sind Stand jetzt am Sonntag ausgeschlossen.
8. Spieltag - Regionalliga Nordost - Saison 2020/2021
Sonntag, 27. September 2020, 13:30 Uhr
Olympiapark-Amateurstadion, Berlin
Zuschauer: 54
Schiedsrichter: Burghardt (Premnitz)


Tore

Die Tabellenverläufe

Tabellenhistorie

Der Vergleich