Comeback in Fürstenwalde nach fast 5 ½ Jahren …
von Timo Görner
… diesmal aber nicht gegen den FSV Union, der mittlerweile in der Brandenburg-Liga zu Hause ist und damit 2 Spielklassen unter der damaligen. Gastgeber ist eine Mannschaft, die insgesamt unter ihren Möglichkeiten geblieben ist.
Die Saison unseres Gegners bisher:
Es ist das Duell zweiter unzufriedener Mannschaften. Mehr noch als der CFC hatte die VSG das Mitspielen um den Staffelsieg (erneut) vorgegeben. Auf Platz 1 sind es nach 31 Spieltagen nun 19 Punkte und 24 Tore. Platz 6 scheint fest gemeißelt, Rang 5 im Grunde nur noch rein rechnerisch zu schaffen. Und auf uns als 7. wird auch kaum noch etwas anbrennen. Sowohl im "Zuhause" Fürstenwalde als auch auswärts war man gut, aber keine Spitze. Im Angriff fehlte trotz der Besetzung der Offensive am Ende zu oft die ganz große Durchschlagskraft. Dazu kamen wieder Patzer gegen schwächer eingeschätzte Gegner.
Die VSG kam gut rein, holte 9 Punkte aus 4 Spielen. Lediglich beim Meister gab es Nichts (0:1), dafür wurde Jena (2:1) besiegt. Den folgenden Dämpfer gegen Staffelmitfavorit Erfurt (1:3) steckte die Mannschaft gut weg. Blieb 5-mal ungeschlagen, konnte 4 Siege beginnend in Luckenwalde (3:1) einfahren. Deutlich gegen Zwickau (3:0), knapp in Babelsberg (2:1), gegen Meuselwitz (1:0). Mit dem torlosen Remis gegen den BFC Dynamo die VSG auf 4 oben mit dabei, 3 Punkte auf Tabellenführer Jena. Ab hier keine Konstanz. Ernüchternd angesichts der Ansprüche das 0:3 in Leutzsch, die 1:2-Heimpleite gegen Kellerkind Greifswald. Vor dem Hinspiel unser Gegner unter Druck, nicht nach ganz oben abreißen zu lassen.
Das Remis auch zu wenig. Nach 15 Spieltagen der Rückstand zum Ersten 10 Zähler. Bis zur Winterpause konnte nicht mehr entscheidend Boden gut gemacht werden. Die beiden Ortsderbys bei Zehlendorf (3:1), gegen Hertha BSC II (3:0) siegreich, durchwachsen das 1:1 bei Preußen. Letztendlich beendete Lok (3:2) in Fürstenwalde letzte Titel-Ambitionen bei 12 Zählern. In der Winterpause wurde personell reagiert. Der Start gut beim heimstarken FSV Zwickau (2:2), auch in Jena (0:0). Tiefpunkt dann in Meuselwitz (0:4). Wieder Pleite gegen ein "Kellerkind". Nach dem 1:1 gegen Babelsberg musste Ersan Parlatan gehen. Sein nun Ex-Team im "Niemandsland" der Tabelle wie der CFC.
Für ihn übernahm interimsweise Dan Twardzik, gelang der Aufwärtstrend. In der Liga wurde wieder gewonnen, mit Achtungszeichen beim HFC (3:2), Kantersieg gegen den FCM II (5:1). Wichtig der Sieg im Landespokal-Halbfinale im Duell mit Ligakonkurrent Zehlendorf (4:0). Beendet wurde die Serie am vergangenen Wochenende in Greifswald (0:1). 4-mal muss die VSG noch auflaufen, darunter im Pokalfinale am 23.05.2026 im "Mommsenstadion" gegen den BFC Dynamo. Im eigenen, fremden Revier sind 6 besser. 7 Siege in 15 Spielen für einen Spitzenplatz etwas zu wenig. Auswärts schneiden die Blau-Weißen fast gleich ab, holten 24 der 49 Punkte (5). 47:37 Tore bedeuten offensiv Rang 8, defensiv besser (4).
Delegierungen seit dem Hinspiel:
Es gab Bewegung im Spielerkader wie beim Cheftrainer.
So sind die beiden Manskes nicht mehr dabei. Paul (24) im rechten Mittelfeld und Mittelstürmer Johannes (26) beendeten ihre aktive Laufbahn. Das Bemerkenswerte dabei, sie wechselten in die Geschäftsleitung zum Bereich "Strategie & Vereinsentwicklung". Der 3. Abgang spielte so gut wie keine Rolle.
Im Gegenzug wechselten 4 zur VSG. 3 für den offensiven Sektor. Jonas Weik (26) ist Linksverteidiger, bis Sommer 2025 bei Drittligaabsteiger Sandhausen. 2 Jahre aktiv: 44 Spiele, 9 Torvorlagen. Erik Tallig (26) als "10er" war 1 Jahr in Cottbus, zuletzt ohne Perspektive. Ab April 2025 zudem ausgefallen (Muskelverletzung), danach nicht mehr im Kader. Der Grieche Nikos Zografakis (25) kam von Zweitligist Athens Kallithea. Ausgebildet bei Hertha BSC. Stationen danach u. a. Verl, Cottbus, Sandhausen. Beim SVS 14-mal 3. Liga. Der Kosovare Mehmet Ibrahimi (23) war ab Juli 2025 ohne Anstellung, zuvor bei Österreichs Erstligist Blau-Weiß Linz. Da aber ohne Bedeutung. 4 Neuverpflichtungen, die man als vielversprechend sehen kann.
Dazu kam der Wechsel auf der Cheftrainerposition aufgrund der unbefriedigenden Ergebnisse.
Die sportliche Leitung:
Aktuell hat der Tscheche Dan Twardzik (36) das Sagen als Interim. Löste Mitte März Ersan Parlatan (48) ab, der zu Saisonbeginn übernommen hatte. Ihm wurden 6 Spiele ohne Sieg bei 3 Punkten zum Verhängnis. Twardzik hatte diese Funktion schon mal inne, im Vorjahr ab Ende März 2025. Unter ihm holten die Berliner 3 Siege, 3 Remis, 1 Niederlage. Die Trendwende in der Liga. Dazu der Einzug ins Pokalhalbfinale. Als Inhaber der A-Lizenz könnte er ohne Frist weitermachen. Letzte Station als Spieler zuletzt die VSG von 2017 bis 2021. Zuvor ging es u. a. nach Italien, Schottland.
Björn Brunnemann (45) unterstützt als Co-Trainer. Ebenfalls zuletzt hier am Ball, in der II. Bekannt aus Erfurt, Cottbus, Union Berlin. Oliver Hähnke (61) und der gebürtige Karl-Marx-Städter Udo Gans (53) trainieren die Keeper. Torsten Mattuschka (45) arbeitet weiter als Sportlicher Leiter. Mauricio Marin (32) ist der Teammanager.
Das Spieler-Kollektiv:
Im Tor ist Luis Klatte (26) meist gesetzt. Im Pokal durfte Luis Zwick (33) ran, damit die offizielle Nr. 2. Malik Liao (19) kommt in der II. zum Einsatz, ansässig in der sechstklassigen Berlin-Liga.
Auch hier spielte die Abwehr mit der Viererkette. Als wichtig bei den Innenverteidigern gelten Damian Roßbach (33/1), Patrick Kapp (28) vor David Kébé (23) und Nico Lübke (24). Kapp mit guten 4 Torvorlagen. Links hat sich mittlerweile Winter-Neuzugang Jonas Weik (26) fest etabliert, wenig Chancen momentan für Noah Kardam (21). Auf der rechten Seite hat sich der Türke Ogulcan Tezel (29/2) empfehlen können. Alternative wäre der Syrer Syaband Ali (19), Tezel einer der Akteure mit Ausbildung bei Hertha BSC, Ali beim FC Viktoria Berlin.
Im Mittelfeld gibt es die "Doppel 6". Die Trainer vertrauen da auf Routinier Tim Rieder (32). Erfahren mit Stationen in der 1. und 2. Bundesliga sowie 3. Liga. Aktiv u. a. bei 1860 München, Kaiserslautern, Augsburg. Efe Gültekin (19) ist noch ein jüngerer Akteur, sammelt wie Liao Spielpraxis in der Berlin-Liga. Als "8er" ist Philip Türpitz (34/1) der Fixpunkt. Kapitän mit 5 Torbeteiligungen. Der Einsatz in Greifswald war sein 100. Pflichtspiel für die VSG. Für die rechte Außenbahn ist Biyan Kizildemir (21) zuständig, links Louis Wagner (23). Für die offensive Zentrale wurde Erik Tallig (26/3) geholt. Gleich zum Debüt in Zwickau mit dem wichtigen Tor zum 2:2 in der Schlussphase. Stark hier auch Mohamed Sydney Sylla (29/6), aus Burkina Faso. Jonas Hartl (21), David Billand (19) aus der U19 gelten als "Perspektivkader".
Im Angriff der VSG wie der Liga Jonas Nietfeld (32/19) herausragend. Mit zudem 6 Vorlagen an 53 % aller Treffer beteiligt, quasi nicht zu ersetzen. Im Frühjahr 2026 nicht so treffsicher, ausgehend von den 15 im Herbst. Problem, es gibt in der Mitte keinen annähernd gleichwertigen 2. Mann. Elidon Qenaj (22/3) ist "Joker". Anthony Roczen (26) steht seit August 2025 nicht mehr im Kader. Auf dem linken Flügel stehen Julien Friedrich (19/2) sowie Nikos Zografakis (26), Mehmet Ibrahimi (23/2) bereit. Letzterer mit 4 Torbeteiligungen in 12 Spielen. Rechtsaußen ist Jonas Saliger (22/3) vorn, an 6 Treffern beteiligt. Ausgebildet bei Dynamo Dresden, 2022 aus der U19 zu den Profis. Dort 2 Kurzeinsätze in der Liga 3. Später "Leihgabe" zum 1. FC Köln II. Er soll in Halle auf der Wunschliste stehen. Dominik Schickersinsky (23/2) glänzte 5-mal als Vorbereiter.
28 Akteure umfasst derzeit das Aufgebot. Mehr hat nur Hertha BSC II. 25,3 Jahre im Schnitt sind fast gleich mit uns (25,4). Offensiv steckt Qualität drin mit Nietfeld, Tallig, Sylla, Türpitz. 11 haben Vertrag bis 2027. Darunter Nietfeld, Roßbach, Klatte, Tallig, Weik. Dagegen laufen die Kontrakte u. a. von Saliger, Rieder, Kapp, Türpitz, Sylla aus. Ob Türpitz noch mal verlängert bei 34 Jahren wird sich zeigen. Wenn dann wohl maximal 1 Jahr.
Die Transferbilanz:
22 kamen bis heute zur VSG, 18 vor der Winterpause bzw. dem Start. Ein doch erheblicher Umbruch im Kader.
Von den 18 konnten sich Luis Klatte (Hamburger SV II), Damian Roßbach (FC Hansa Rostock), Tim Rieder (PAS Giannina/Griechenland), Mohamed Sydney Sylla (FC Viktoria Berlin), Jonas Nietfeld (Halle), Dominik Schickersinsky (Hertha BSC II), Jonas Saliger (1. FC Köln II) als feste Größen etablieren. Nietfeld darf als "Volltreffer" gelten. Sylla, Roßbach, Saliger, Rieder als "klare Verstärkungen". David Kébé (Kickers Emden) konnte sich über weite Strecken empfehlen. Nico Lübke (SF Lotte) in der Herbstrunde ebenfalls, hatte dann Verletzungspech. Aus dem Rennen geworfen wie Jonas Hartl (Zehlendorf). Die anderen spielten keine oder keine wichtige Rolle, allerdings waren darunter auch 3 Aktive unterhalb der 20 Jahre.
Von den 4, die nachträglich an Land gezogen worden, ist Erik Tallig sicherlich ein "Glücksgriff". Jonas Weik schaffte ebenso den Sprung in den Stammkader. Das gelang auch Nikos Zografakis, Mehmet Ibrahimi schließt den Kreis der etablierten Winter-Neuzugänge, auch bei ihm läuft es zufriedenstellend.
Fazit: im Sommer akzeptabel, bei den Weiteren dann sehr gut.
Gewinner der Saison bislang:
Erik Tallig kam quasi aus der "Kurzarbeit Null" in Cottbus. Bei der VSG feste Größe, mit dem erfolgreichen Neustart nach frustrierenden Monaten. Mohamed Sydney Sylla kam von einem Absteiger, schaffte den Klassenerhalt mit dem Wechsel. Ist ebenfalls gut dabei.
Krankenlager / Strafbank:
Damian Roßbach sah in Greifswald die 5. Gelbe, somit Sonntag gesperrt. Jonas Hartl steht verletzungsbedingt seit Ende August 2025 nicht zur Verfügung.
Prognose:
Platz 6 sollte man verteidigen können, interessanter die Perspektive für die kommende Saison. Da sollte man bei einer erfolgreichen Personalpolitik aufbauend auf dem derzeitigen Kader weiter vorn mit dabei sein.
Bilanz gegen unseren Gegner:
Das 12. Duell steht an, seit 2018. Die Bilanz ist weiter negativ mit 3 Siegen gegen 5 Niederlagen bei 17:22 Toren. Allerdings konnten wir zuletzt nachbessern, blieben gegen den (ehemaligen) "Angstgegner" 3-mal ungeschlagen bei 2 Siegen und den Ergebnissen 1:0 – 2:0 – 2:2. In der Hauptstadt sieht es ausgeglichen aus, der Saldo 2/1/2.
Bemerkenswert: wir treten in der mittlerweile 4. Spielstätte an. So ging es in den "Jahn-Sportpark" Prenzlauer Berg, dann ins Amateurstadion von Hertha BSC in Charlottenburg. Nächster Halt das "Hans-Zoschke-Stadion" des SV Lichtenberg 47. Nun die Reise nach Brandenburg in die Arena des FSV Union Fürstenwalde.
Das Umfeld / Wirtschaft / Stimmung:
Mit dem Verein aus dem Berliner Südosten verbinden viele die Stadion-Odyssee. Nichts Neues im Grunde zum notwendigen Um– und Ausbau des "Stadion Altglienicke" an der Straße mit dem Namen "Rübezahlallee". Dieser kommt nicht voran. 3.000 dürfen dort Einlass erhalten. So musste der Club dann auch nach dem Aufstieg in die Regionalliga Nordost 2018 seine Spiele im geschichtsträchtigen "Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark" austragen. Für die Auslastung zumindest bei den Spielen gegen Vereine ohne größeren Anhang viel zu groß, dazu kamen die Kosten für die Spieltage. 2019 ging es dann schließlich in den Nordosten nach Lichtenberg, dem kleinen Fußball-Stadion zu Füßen einer ebenso historisch beladenen Stätte.
Nach dem Gastspiel im Amateurstadion von Hertha BSC dann die Entscheidung, die Stadt zu verlassen und sich in Fürstenwalde niederzulassen, wo auch in der kommenden Spielzeit der Ball im "Friesen-Stadion" rollt. Für die Fußballfreunde der Stadt und Umgebung dort die Rückkehr der 4. Liga nach dem Abstieg der Unioner.
Derlei Wanderbewegungen wenig hilfreich für einen Verein, der auch ansonsten unter dem Radar der Fußball-Interessierten der Stadt Berlin läuft, wo alles neben Union und Hertha BSC ein Mauerblümchendasein fristet. Abgesehen vielleicht noch vom BFC Dynamo, der zumindest eine organisierte Fanszene hat. Aktuell liegt der Zuschauerschnitt bei 637, Platz 16 vor Eilenburg und Zehlendorf. Immerhin ein kleiner Anstieg zu 599 aus dem Vorjahr und 516 in 2023/2024. In 3 Spielen kamen mehr als 1.000. Den besten Besuch verzeichneten die Verantwortlichen gegen den BFC Dynamo bei 1.170, knapp vor Jena mit 1.164. Chemie Leipzig lockte noch mal 1.076 an. Tiefpunkte der Frequentierung die Gastspiele des FCM II (213) und Eilenburg (204). Am Sonntag sollten die himmelblauen Auswärtsfahrer mit vielleicht 300 Einheimischen rechnen. Spannend dürfte sein, wie sich dies bei einem Aufstieg in die 3. Liga entwickeln würde. Das Stadion an der Hangelsberger Chaussee erfüllt nicht die Kriterien für die dritte Etage. Die Kapazität von 8.000 Zuschauern an sich wäre ausreichend. Aber 500 Sitzplätze sind zu wenig, es gibt keine Rasenheizung. Es müsste im Bereich Sicherheit, Medienarbeitsplätze, VIP-Infrastruktur, Flutlicht investiert werden. Damit käme wieder nur ein Ausweichen in Betracht. Zur Auswahl ständen die Stadien des 1. FC Union und Hertha BSC, Letzteres wohl vollkommen überdimensioniert. Cottbus wäre von der Entfernung her viel zu weit, Babelsberg sollte aber passen. Allerdings gibt es ja auch hier mehrere Nutzer.