Vorbericht

33. Spieltag - Regionalliga Nord - Saison 2005/2006
Chemnitzer FC
Chemnitzer FC
0:1
FC Rot-Weiß Erfurt
FC Rot-Weiß Erfurt

Nächstes Abschiedsspiel gegen einen alten Rivalen, für den es um alles geht...

von Timo Görner

...denn nach dem postwendenden Abstieg aus der 2. Bundesliga droht dem Verein aus Thüringens Landeshauptstadt der erneute Gang eine Etage tiefer. Möglicherweise aber auch der totale Absturz angesichts bekannter wirtschaftlicher Probleme.

Der FC Rot-Weiß Erfurt in dieser Saison bislang:
Nach dem personellen und auch finanziellen Aderlass vor Beginn dieser Saison galt für die Erfurter nur der Klassenerhalt als Ziel. Die momentan prekäre Situation entspringt in erster Linie der katastrophalen Auswärtsbilanz (3 Punkte/15 Spiele). Nach Spieltag 7 hieß das Motto „Zu Hause Top, auswärts ein Flop.“ 3 Heimsiegen (Köln II. 4:3, HSV II. 2:0, Emden 1:0) standen 3 Auswärtsniederlagen gegenüber wobei die Gastspiele unterschiedlich waren. Auf St. Pauli (0:1), in Lübeck (1:2) war ein Zähler drin und wäre verdient gewesen, chancenlos war man dagegen in Bremen (0:3). Rot-Weiß rangierte damit im gesicherten Mittelfeld aus dem es jedoch in den folgenden 4 Spielen Richtung Keller gehen sollte (13.). Nur 1 Pünktchen wurde in diesem Zeitraum gezeitigt, der Heimnimbus ging verloren (Düsseldorf 2:2/Wuppertal 1:2). Bis zur Winterpause stabilisierte man sich wieder auf mittelprächtigem Niveau (14 Punkte aus 10 Spielen, 13 zu Hause). Bemerkenswert dabei waren die Erfolge gegen Hertha II. (2:0) und St. Pauli (2:1) sowie die wichtigen Siege gegen Konkurrenten im Abstiegskampf (CFC 1:0/Wattenscheid 4:1). Auswärts ging die Sieglosserie bei 2 Remis und 3 Niederlagen weiter. Am dichtesten war man in Münster am 1. Sieg (2:2) dran. Chancenlos dagegen zeigten sich die Erfurter in Jena, Osnabrück (jeweils 0:2) und Essen (0:5). Vor der spielfreien Zeit lag man etwas beruhigt ein Stück weg der Abstiegszone (24 Punkte/11.) mit 5 Zählern Abstand auf Rang 15. Zu Hause war die Bilanz ordentlich (22 Punkte/10 Spiele), auswärts hatte man erst 2 Punkte geholt.
Danach sollte die Tendenz eher wieder nach unten gehen, weil man auf Reisen weiter mit Punkten geizte und zu Hause den einen und anderen Zähler abgab. Zwar blieb man im „Steigerwaldstadion“ ungeschlagen, gewann aber von den 5 Begegnungen nur 2 (Leverkusen II. 3:1, Bremen II. 1:0); Lübeck (0:0), Oberhausen (0:0) und Münster (1:1) entführten aus Erfurt jeweils 1 Zähler. Dazu kamen weitere Auswärtspleiten, teilweise unglücklich durch umstrittene Schiedsrichterentscheidungen (Düsseldorf 2:3/Wuppertal 0:1), verdient dagegen in Hamburg (0:3 HSV II.) und Berlin (0:1). Nur in Emden blieb man unbesiegt (0:0). Die Folge war der schleichende Absturz in die Abstiegsregion (16.), der erst durch den glücklichen Heimsieg am Dienstag gegen Bremen II. korrigiert wurde (12.). In der Hitliste der platzbauenden Gemeinschaften zeigt man sich stark (6.), nur Wuppertal (1:2) und Kiel (1:3) konnten in Erfurt gewinnen, bei 9 Heimsiege mit 25:14 Toren. Auswärts ist man dagegen noch schlechter als der CFC und einzigste Mannschaft der Nord-Staffel ohne Auswärtssieg. Die ernüchternde Bilanz: 3 Remis/12 Niederlagen/8:30 Tore, wobei von den 12 Pleiten 7 Spiele mit lediglich einem Tor Differenz verloren gingen. 33 erzielte Tore sind unteres Mittelmaß (13.), 44 Gegentore ebenfalls (13.).
Im DFB-Pokal war Endstation in Runde 2 gegen Bundesligist Kaiserslautern nach einem tollen Spiel (2:4) und nachdem in Runde 1 Zweitligist Ahlen (2:1 n. V.) besiegt wurde. Im Landespokal scheiterte man unglücklich zu Hause an Erzrivale Jena (2:4 n. E./H) im Viertelfinale.

Verlierer der Saison bislang:
Im Tor verlor der eigentlich vor der Saison gesetzte Neuzugang aus Ahlen Michael Ratajczak (24) seinen Stammplatz nach Spieltag 11 an Dirk Orlishausen (23). Im Sturm konnte sich Sokol Kacani (22, Kapitän der U-21 Albaniens) in Erfurt nicht durchsetzen und verließ die Rot-Weißen zur Winterpause gen Stuttgarter Kickers. Routinier und Hoffnungsträger Ilia Gruev (35, Mittelfeld) hatte mehr mit Verletzungen als den Gegenspielern zu kämpfen und konnte sich bislang insgesamt nicht als Leistungsträger etablieren.

Gewinner der Saison bislang:
Die Gewinner sind in erster Linie jüngere Spieler, die in dieser Saison den Sprung zum Teil aus der II. Mannschaft und der eigenen A-Jugend in die I. Mannschaft schafften. Im Tor ist dies Dirk Orlishausen (23), in der Abwehr Tom Bertram (19) und Justus Six (20). Dazu kommen Spieler wie Rico Kühne (24, Dynamo Dresden) oder Björn Brunnemann (25, Mittelfeld, Cottbus), die bei ihren alten Vereinen in der Vorsaison nicht zum Stammpersonal zählten, bei Rot-Weiß dagegen als feste Größen gelten. Matthias Holst (25, Abwehr) schaffte auf Anhieb als Neuzugang aus der Oberliga (FC Hansa Rostock II.) den Status Stammspieler in Liga 3. Er war auch Schütze des „goldenen Tores“ am vergangenen Dienstag gegen Werders II.

Delegierungen seit dem Hinspiel:
Es gab 2 Ab- und auch 2 Neuzugänge, alle jeweils in der Winterpause. Den Verein verlassen haben Kacani sowie Talent Robert Fischer (22, Sturm) der für 10.000 EUR Ablöse zu Nordost-Oberligist Sachsen Leipzig ging und in Erfurt seit 2,5 Jahren nicht die erhoffte Rolle in der 1. Mannschaft spielen konnte.
Neu ist für die Defensive Stephan Hanke (33), der von der HSV II. kam und damit der erfahrenste in der Mannschaft ist (62x 1. Bundesliga für St. Pauli und Leverkusen, 119x 2. Bundesliga für St. Pauli). Er zählte in den letzten 2,5 Jahren zum Stammpersonal des HSV II. Im Sturm holte man den Deutsch-Kongolesen Dominick Kumbela (22) von der II. des 1. FC Kaiserslautern (RL Süd). Hanke schaffte sofort den Sprung in den Stammkader, Kumbela erst in den letzten Spielen.

Der Trainer:
Für Pavel Dotchev (41) ist der Druck nach der ordentlichen Herbstrunde größer geworden. Er genießt nach wie vor das Vertrauen der Vereinsführung, ein kurzfristiger Trainerwechsel scheint momentan am „Steigerwaldstadion“ kein Thema, zumindest nach außen.

Die Mannschaft / Aktivposten:
Nummer 1 im Tor ist seit Spieltag 11 Dirk Orlishausen (23). In der Abwehr gelten Tom Bertram (19), Matthias Holst (25) und Rico Kühne (24) als feste Größen, dazu kommt für den defensiven Sektor in Abwehr und Mittelfeld Neuzugang Stephan Hanke (33). Erwähnenswert ist noch Justus Six (20), der nahe dran ist als dauerhafter Stammspieler. Im Mittelfeld eroberte sich der „Heimkehrer“ Silvio Pätz (26) einen Stammplatz. Dazu kommen der torgefährliche Björn Brunnemann (25, 8 Tore) und der Nigerianer Henry Onwuzuruike (26), der wie Alexander Schnetzler (27) einer der ganz wenigen „Überbleibsel“ der letzten Zweitligasaison ist. Im Sturm gilt Kapitän und Identifikationsfigur Ronny Hebestreit (31, 5 Treffer) neben dem Tschechen Pavel David (27, 9 Tore) als etablierter Spieler. Es ist gut möglich, dass David nächste Saison, egal wie es für die Erfurter am Ende ausgeht, für einen anderen Club auflaufen wird.
Mit 23,9 Jahren im Schnitt stellen die Thüringer den jüngsten Kader der „Nicht-Amateurmannschaften“. 13 der 28 Spieler im Kader sind jünger als 22 Jahre. Mit Tony Schnuphase (21, Mittelfeld) steht übrigens der Filius des ehemaligen Erfurter und Jenaer DDR-Nationalspielers Rüdiger Schnuphase (52) im Kader und kam schon mehrmals zum Einsatz.

Das Umfeld / Stimmung / Finanzen:
3.875 Besucher entschieden sich im Schnitt für die 15 Heimspiele des Zweitligaabsteigers, Erzfeind Carl Zeiss Jena konnte dagegen immerhin gut 5.100 Zuschauer pro Begegnung im eigenen Stadion aktivieren. Gegenüber den rund 11.500 im Schnitt der letzten Saison in Liga 2 ist dies ein deutlicher, aber nicht unerwarteter Rückgang beim FC Rot-Weiß und ein Beleg dafür, welcher schwerwiegender finanzieller Einschnitt ein Abstieg aus der 2. Bundesliga für einen wirtschaftlich angeschlagenen Verein wie Erfurt darstellt. Den Besucherrekord erlebten die Vereinschefs in der Herbstrunde gegen Fortuna Düsseldorf (5.000) und den CFC (4.900). Ordentlich war der Besuch zudem gegen den FC St. Pauli (4.800). Den Tiefpunkt des Interesses bildeten die Begegnungen gegen Emden und Wattenscheid (jeweils 3.000). In der Frühjahrsrunde wohnten immerhin noch mal 4.200 und 4.494 den Schicksalsspielen gegen Münster und Bremen bei. Den eigentlichen Kassenschlager erhofft man sich, und dürfte man am 29.04.2006 gegen die Jenenser erleben, wo man locker die 10.000 überschreiten wird. Am Samstag dürfte man aufgrund von Vereinssponsoring mit mehr als 1000 Gästefans an der Gellertstraße rechnen.
Für die neue Saison wurde bei der Beantragung der Lizenz ein Etat von rund 2,5 Mio. EUR eingeplant, Hauptsponsor „E.ON. Thüringer Energie“ verlängerte seinen Vertrag mit dem Club bis Juli 2008. Insgesamt scheint sich die finanzielle Lage des Traditionsvereins nach den Turbulenzen bei der Lizenzerteilung 2005/2006 entspannt zu haben. Dem diesjährigen Verfahren sieht man jedenfalls recht optimistisch entgegen. Ein erneuter Abstieg dürfte für den FC Rot-Weiß existenzielle Probleme bedeuten, was u. a. zuletzt Ronny Hebestreit als „RWE-Urgestein“ in den Medien anmahnte.
33. Spieltag - Regionalliga Nord - Saison 2005/2006
Samstag, 22. April 2006, 14:00 Uhr
Fischerwiese, Chemnitz
Zuschauer: 3.276
Schiedsrichter: Metzen (Erftstadt-Liblar)


Tore

Die Tabellenverläufe

Tabellenhistorie

Der Vergleich


Chemnitzer FC FC Rot-Weiß Erfurt
42,92 %Chancen gegeneinander57,08 %
19Tabellenposition12
21
29
0,72
Pkt.
Spiele
Pkt. pro Spiel
34
30
1,13
5 (17,24 %)
18 (62,07 %)
Siege
Niederlagen
9 (30,00 %)
14 (46,67 %)
29:56
1.00:1.93
Tore
Tore pro Spiel
33:44
1.10:1.47
3:0 gegen Hamburger SV II (H)Höchster Sieg4:1 gegen Wattenscheid 09 (H)
0:4 gegen Fortuna Düsseldorf (H),
Hertha BSC II (A)
Höchste Niederlage0:5 gegen RW Essen (A)
seit 2 Spielen nicht gewonnenAktuelle Serie1 Sieg,
seit 2 Spielen nicht verloren

Die Bilanz

 ZahlSUNTore
Alle Spiele5619181974:73
Heimspiele271610147:20
Auswärtsspiele29381827:53
Ligaspiele5519181873:70
Pokal-/Relegationsspiele10011:3

Rückblick auf die letzten 15 Spiele

1988/1989DDR-Oberliga12. SpieltagFC Karl-Marx-Stadt - FC Rot-Weiß Erfurt1:0 (1:0)
1988/1989DDR-Oberliga25. SpieltagFC Rot-Weiß Erfurt - FC Karl-Marx-Stadt0:2 (0:0)
1989/1990DDR-Oberliga11. SpieltagFC Rot-Weiß Erfurt - FC Karl-Marx-Stadt1:0 (1:0)
1989/1990DDR-Oberliga24. SpieltagFC Karl-Marx-Stadt - FC Rot-Weiß Erfurt2:0 (1:0)
1990/1991NOFV-Oberliga3. SpieltagFC Rot-Weiß Erfurt - Chemnitzer FC0:0 (0:0)
1990/1991NOFV-Oberliga16. SpieltagChemnitzer FC - FC Rot-Weiß Erfurt2:0 (1:0)
1991/19922. Bundesliga Süd11. SpieltagChemnitzer FC - FC Rot-Weiß Erfurt2:1 (1:0)
1991/19922. Bundesliga Süd22. SpieltagFC Rot-Weiß Erfurt - Chemnitzer FC3:2 (2:2)
1996/1997Regionalliga Nordost6. SpieltagFC Rot-Weiß Erfurt - Chemnitzer FC3:3 (1:3)
1996/1997Regionalliga Nordost23. SpieltagChemnitzer FC - FC Rot-Weiß Erfurt2:0 (2:0)
1997/1998Regionalliga Nordost11. SpieltagFC Rot-Weiß Erfurt - Chemnitzer FC1:0 (1:0)
1997/1998Regionalliga Nordost28. SpieltagChemnitzer FC - FC Rot-Weiß Erfurt1:1 (0:0)
1998/1999Regionalliga Nordost6. SpieltagChemnitzer FC - FC Rot-Weiß Erfurt1:1 (1:1)
1998/1999Regionalliga Nordost23. SpieltagFC Rot-Weiß Erfurt - Chemnitzer FC1:2 (1:1)
2005/2006Regionalliga Nord14. SpieltagFC Rot-Weiß Erfurt - Chemnitzer FC1:0 (1:0)

Links zum Gegner