Leistung aus dem Lok-Spiel bestätigen und die Heimserie ausbauen …
von Timo Görner
… muss für den Freitag gelten. Der CFC ist seit immerhin jetzt 8 Spielen an der Gellertstrasse ungeschlagen oder anders seit nun über ½ Jahr. Auf der anderen Seite kommt eine der auswärtsstärksten Mannschaften der Regionalliga Nordost zu uns. Die wir zuletzt im Dezember 2018 zu Hause besiegen konnten. Es steht eine knifflige Aufgabe bevor.
Die Saison unseres Gegners bisher:
Verläuft unbefriedigend und bemerkenswert ambivalent. Auswärts gut unterwegs, ist man zu Hause bei den Gastvereinen sehr geschätzt. Kurzum, im eigenen Haus erwiesen sich die Potsdamer nicht ligatauglich und enttäuschten Fans und Verantwortliche ein ums andere Mal. Folge die Beurlaubung von Cheftrainer Ronny Ermel zum Jahresende, sein Punkteschnitt mit 1,06 pro Spiel in der Regionalliga eher dürftig. Die Leitung setzte auf eine interne Lösung, konnte den Co-Trainer als neuen Chef fest installieren aufgrund seiner Trainerlizenz. Ziel für die Frühjahrsrunde ist der vorzeitige Klassenerhalt, das Polster auf Rang 15 ist mit 3 Punkten nicht gerade üppig. Zum 16. sind es deren 7. Ebenfalls kein sanftes Ruhekissen.
In die schwierige Lage brachte sich die Mannschaft durch die desaströse Heimbilanz, die sich wie ein roter Faden durch die Herbstrunde zog. Der Auftakt signifikant, Jena holte sich (4:1) relativ locker die 3 Punkte bei 03. Auch das zweite Heimspiel ging verloren (0:2) gegen die bislang auswärts nicht so überragenden Zwickauer. Ergebnis erstmal Tabellenkeller als 16. mit 1 Punkt aus Meuselwitz. Was folgte war die beste Phase im bisherigen Verlauf. Bei Chemie (3:2) und dem BFC Dynamo (4:0) setzte man die positive Serie auswärts fort. Zwischendurch der erste und einzige Heimsieg (3:1) gegen die kriselnden Greifswalder. Vor dem Hinspiel ging 03 mit breiter Brust ins Duell gegen uns. Auf Platz 6 mit 10 Punkten.
Das Ende bekannt. Der Trend fortlaufend, auf Reisen ernstzunehmender Gegner. Zu Hause freigiebig. 5 weitere Pleiten in Folge auf eigenem Platz schlossen sich an. Bedenklich die Torbilanz von 6:15. Gegen Aufsteiger Preußen fiel die Mannschaft nach zweimaliger Führung mit 3 Gegentoren in Halbzeit 2 in 18 Minuten auseinander. Gegen den anderen Neuling reichten Führung und Überzahl ab Min. 68 nicht. Wurden in Überzahl wieder 3 Gegentreffer kassiert. Erneut gegen Ende der Begegnung. Schmerzhaft zudem das 2:3 zum Jahresabschluss gegen Mitkonkurrent Meuselwitz. Zum Glück kam auswärts immer mal was dazu. Zeigte die Mannschaft meist ein anderes Gesicht in Halle (2:2), Jena (1:1), bei wichtigen Siegen in Eilenburg (1:0), bei Hertha BSC II (2:0) und Chemie.
Als Gast 03 stark, das viertbeste Team und hat nur 1-mal (knapp) verloren. Beim Meister mit 0:1. Steht hier zudem die Defensive bei nur 10 Gegentoren in 10 Spielen passabel. Im eigenen Revier gingen 8 der 9 Spiele verloren, 23 Treffer kassiert. Schwächste Heimdefensive. 28:33 Tore insgesamt sind offensiv (8.) ganz gut, defensiv anfällig (16.). Im Pokal kam das Aus im Viertelfinale, nach 2:4 im "Brandenburg-Classico" gegen Cottbus. Wieder mit entscheidenden Gegentoren in der Schlussphase.
Delegierungen seit dem Hinspiel:
Es gab 2 Neuzugänge, dazu die Änderung auf der Cheftrainerposition. Auf der Spielerseite stießen 2 vom Erzrivalen zu den Blau-Weißen.
Tobias Hasse (30) ist Rechtsverteidiger und war vertragslos. Zuvor 6 Jahre Cottbus mit 154 Einsätzen, 13 Toren + 21 Vorlagen. 20-mal davon 3. Liga im Vorjahr, erhielt kein neues Vertragsangebot. Beim Rechtsaußen ein in Chemnitz bekanntes Gesicht mit Theo Ogbidi (25). 2021 der Wechsel zum 1. FC Lok Leipzig, in 4 Jahren dort gute 24 Vorlagen in 107 Spielen und 34 Torbeteiligungen. Beim FC Energie eine Liga höher ohne Bedeutung, es reichte zu nur 2 Spielen im Landespokal. Für die Babelsberger zwei vielversprechende Personalien.
Die sportliche Leitung:
Johannes Lau (29) hat aktuell das Sagen für die Mannschaft, noch bis Saisonende. Dann soll nach neuesten Infos Michael Braune (38) übernehmen, der den FSV 63 Luckenwalde nach erfolgreicher Arbeit verlassen wird. Lau rückte nach der Beurlaubung von Ronny Ermel am 30.12.2025 auf, zuvor der Co-Trainer. Im Besitz der A+-Lizenz, berechtigt für diese Klasse und die 3. Liga. Als Spieler bis 2012 in der U17 von TeBe Berlin. Seit 2019 in wechselnden Funktionen bei 03 tätig, 2023 bis zur Beförderung zum Cheftrainer der Nachwuchsleiter. Unser Ex-Kapitän Daniel Frahn (38) unterstützt weiter als Co-Trainer. Ex-Keeper Nico Hinz (40) coacht die Torhüter, Cem Efe (47) fungiert als Sportlicher Direktor.
Das Spieler-Kollektiv:
Im Tor ist Yannic Stein (21) gesetzt, seit Januar 2025 und bis Saisonende ausgeliehen vom 1. FC Union Berlin. Maximus Babke (22) gilt als die Nr. 2. In den letzten 5 Begegnungen vor der Winterpause kehrte Stein nach wochenlanger Verletzung (Muskelfaserriss) ins Tor zurück und dürfte auch am Freitag den Vorzug erhalten. Cem Bagci (20) ist noch ohne Einsätze.
In der Herbstrunde ließen die Trainer ein offensives 4-3-3 spielen, aufgrund des nicht so großen Ertrages und angesichts des neuen Cheftrainers könnte sich das ändern zugunsten mehr defensiver Orientierung. In der Viererkette gelten Kapitän Philipp Zeiger (34), der ebenfalls erfahrene Niklas Kastenhofer (27) und Kenny Weyh (21) als die wichtigsten Akteure. Die jungen Darijan Silic (20) und Nino Lessel (21) spielten im Herbst keine Rolle. Rechts dürfte Winter-Neuzugang Tobias Hasse (30) jetzt eine ernsthafte Option sein. Hier konnte sich aber Jannis Lang (23) gut präsentieren mit 4 Vorlagen. Gleiche Bilanz Links Gordon Büch (30), vor Luca Dahlke (22). Mit Zeiger, Kastenhofer, Büch hat 03 hier eine gute Besetzung. Deshalb sind die vielen Gegentore zu Hause so nicht ganz nachvollziehbar.
In der defensiven Zentrale vor der Abwehr konnte mit Leon Bürger (26) ein potentieller Stammspieler verletzungsbedingt erst ab Mitte September 2025 mitwirken. Dazu kommt der Montenegriner Marko Perovic (18). 2021 aus Zehlendorf zur 03-Jugend gewechselt und über die U17, U19 aufgestiegen. Als "8er" gelten Maurice Covic (27), Paul Wegener (25) und Nils Schätzle (26). Er und Covic festen Größen auf der Position. Wegener zog sich Ende Juli 2025 einen Schlüsselbeinbruch zu, fiel die komplette Herbstrunde aus. Im Vorjahr bis auf 1x "Gelb-Sperre" in allen Punktspielen auf dem Platz, 5 Tore. Auf seine Rückkehr setzen die Babelsberger viele Hoffnungen. Offensiv ausgerichtet ist George Didoss (21/7), mit starker Saison. An 13 der 28 Tore beteiligt. Vertrag läuft aus, er steht bei anderen Vereinen im Blickfeld. Für die rechte Außenbahn ist Jeremy Postelt (23) zuständig.
Im Angriff ist der gebürtige Cottbuser Luis Müller (25) Nr. 1, die 6 Treffer in 8 Spielen von Ende August 2025 bis Anfang Oktober 2025. Als weitere Mittelstürmer stehen Linus Queißer (22/2), "Joker" Alexander Georgiadi (18/2) bereit. Ardahan Yilmaz (18) gilt eher als "Perspektivkader", spielt primär weiter U19 Nachwuchsliga - Liga B. Den linken Flügel besetzt Samir Werbelow (24). Auf Rechtsaußen soll nun Theo Ogbidi (25) verstärken. Konkurrenz für Tino Schmidt (32/5). Dort wird es für Luca Schulz (27) nun noch schwerer.
27 umfasst das Aufgebot nach den Winter-Neuzugängen. Mehr haben nur Altglienicke und Hertha BSC II. 24,4 Jahre im Schnitt liegen leicht unter dem Liga-Gesamtwert 24,6. Der Kader ist durchaus ansprechend besetzt, zumindest gut genug zum ordentlichen Mittelfeldplatz. 10 haben Vertrag über 2026, beim CFC nur 5. Im Fall von Covic, Didoss, Bürger, Perovic, Schmidt wird man sicher an der Verlängerung interessiert sein. Spannend bleibt, ob 03 Didoss wird halten können, was schwierig werden dürfte.
Die Transferbilanz:
13 kamen neu hinzu, 15 insgesamt mit den Beiden in der Winterpause.
Maximus Babke (Hansa Rostock II) im Tor konnte sich zumindest mehrmals, wenn auch durch Steins Ausfall, Einsätze als Stammkeeper erarbeiten. Niklas Kastenhofer (Halle), Kenny Weyh (Hessen Kassel), Tino Schmidt, Nils Schätzle (beide Meuselwitz), Luis Müller (Ventura County FC/USA) etablierten sich überwiegend als Stammkader.
Dem Rest gelang dies so nicht (ganz), wobei mehrere auch noch jung an Jahren sind und nicht auf Anhieb als feste Größen zu erwarten waren. Konnten sich aber mehrmals für die Anfangself empfehlen wie Linus Queißer (Eintracht Braunschweig II), Marko Perovic aus der eigenen U19.
Fazit insgesamt: nicht sonderlich gut, aber auch nicht sehr schlecht. Nur konnte die Qualität der Mannschaft nicht entscheidend verbessert werden.
Gewinner der Saison bislang:
George Didoss hat sich mit seinen Leistungen als Top-Talent in den Vordergrund gespielt und könnte nach Saisonende sogar höherklassig weitermachen.
Krankenlager / Strafbank:
Niklas Kastenhofer fällt für den Freitag definitiv aus, Grund: Schienbeinverletzung.
Prognose:
Schwierig, schlagen die beiden Neuzugänge aber entsprechend ein, sollte es für den vorzeitigen Klassenverbleib reichen. Die größte Baustelle ist bekannt, die Defensive zu Hause. Am Ende wohl Platz 12 bis 14.
Bilanz gegen unseren Gegner:
26 Duelle gab es bislang, wir liegen vorn mit 10 Siegen gegen 8 Niederlagen bei 32:27 Toren. Zu Hause heißt der Saldo 5-4-3 und 16:10 Toren. Der letzte Heimsieg liegt aber schon über 7 Jahre zurück am 08.12.2018 mit 2:0. Beide Tore durch den Co-Trainer der Gäste. Danach hieß es 1:1 – 0:0 – 1:1 – 0:0 und im Vorjahr 2:3. Es wird also Zeit, mal wieder die Punkte in Chemnitz zu behalten. Der einzige Kicker, der 2018 auf dem Platz stand ist Dejan Bozic. Dazu kommt Niklas Hoheneder auf der Trainerbank.
Das Umfeld / Wirtschaft / Stimmung:
Der SV Babelsberg 03 unterstützt wie viele andere Vereine der 4. und anderer Ligen die Reform zu einer gerechteren Aufstiegsregelung zur 3. Liga. Den Sprung in diese Spielklasse an sich hat man aber so nicht auf der Rechnung. Perspektivisch dürfte es darum gehen, den Club bei einer möglichen Neustrukturierung der 4. Liga in dieser zu halten. Vor allem muss in dieser Saison der Ligaerhalt erst noch geschafft werden. Sowohl sportlich als auch wirtschaftlich scheint man wie der CFC von der Rückkehr in die dritthöchste Etage ein ganzes Stück weit entfernt. Allerdings liegen wir wohl etwas vor den Blau-Weißen. Die Zäsur kam mit dem Abgang von Cheftrainer Markus Zschiesche Sommer 2024 und der Neuausrichtung weg von Drittligaambitionen zu mehr Arbeit mit jüngeren Spielern. Reaktion auf finanzielle Entwicklungen.
Denn die letzten 3 Jahre erfordern einen strikten Kurs der Konsolidierung. Für das Kalenderjahr 2024 war im Juni 2025 wieder ein Verlust gemeldet worden von 74.000 €, für 2023 bei deutlich mehr mit 188.000 €. Folge u. a. ein um 25.000 € gekürzter Etat für die Regionalliga-Mannschaft. Die Probleme rühren aus mehreren Ursachen. Beim Sponsoring ging es nicht so richtig aufwärts wie den Mitgliedern und Beiträgen, die Kosten für die Spiele zu Hause erhöhten sich durch Sicherheitsmaßnahmen aufgrund von Vorkommnissen zuvor. Dazu kamen Strafen wie 34.000 € nach dem Landespokal-Finale gegen Erzfeind Cottbus 2024. Der Zuspruch auf den Rängen 2024/2025 rückläufig von 3.140 im Schnitt auf 2.788. Derzeit steht man bei einem ganz leichten Anstieg - 2.841. Den meisten Andrang gab es zum Auftakt gegen Jena (4.839). Über 3.000 wollten dann Erfurt sehen (3.391). Die 1.880 als Minusrekord gegen Meuselwitz zeigten die Unzufriedenheit mit der sportlichen Tendenz.
November 2025 gab es eine Umbesetzung in der Führungsebene, mit klarem Auftrag der stringenteren kaufmännischen Steuerung. Maßnahmen zur finanziellen Stabilisierung waren u. a. die Erhöhung der Mitgliedsbeiträge und Abteilungsgebühren. Die interne Lösung in der Cheftrainer-Frage nach der Beurlaubung von Ronny Ermel könnte auch durch diese Strategie begründet gewesen sein. Dem Club steht seit November 2025 eine Doppelspitze vor. Paul Bachmeyer zeichnet verantwortlich vor allem für Sport & Leistungssport. Katja Herzberg kümmert sich vornehmlich um Presse, Kommunikation & Fanbelange. 5 weitere Mitglieder komplettieren den Vorstand, wichtigster Akteur wohl Martin Neubert für die angesprochene Steuerung. Im "richtigen Leben" Geschäftsführer eines freien Trägers der Kinder- und Jugendhilfe. Früher aktiver Spieler u. a. bei 03 und BFC Dynamo. Der Verein steht wie der CFC vor enorme Herausforderungen, nur sind hier die Ambitionen andere als bei uns.