Den Schalter in der Liga wieder umlegen bei der "Mannschaft der Stunde"
von Timo Görner
… in Babelsberg, wo der Gastgeber zuletzt erfolgreich am Start war und sich in der Liga aus dem Keller in die obere Etage gespielt hat. Auf den CFC wartet ein Gegner mit breiter Brust, der mit einem Systemwechsel wieder in die Erfolgsspur gefunden hat.
Die letzte Saison unseres Gegners
Von Platz 5 ging es runter auf den 13. Das Konzept für 2024/2025 sah eine Ausrichtung auf Verjüngung vor, Ambitionen auf die 3. Liga wurden zurückgefahren. So gesehen waren die Erwartungen reduziert, dennoch herrschte Unzufriedenheit aufgrund der Talfahrt Richtung Tabellenkeller. Rein rechnerisch war es möglich, am letzten Spieltag noch auf Rang 17 abzurutschen. Der Klassenerhalt war im Grunde genommen aber schon nach der vorletzten Runde (fast) sicher. Der "Worst Case" wären Siege des FC Eilenburg, FC Viktoria, Chemie und Luckenwalde gewesen – bei gleichzeitiger Niederlage in Meuselwitz. Mit dem 3:2 dort, erzielt in letzter Minute ausgerechnet durch Daniel Frahn, wurden alle Zweifel beseitigt.
Einigermaßen versöhnlich endete die schwierige Saison. Die Defensive zeigte sich bei 57 Gegentoren wackelig. Es kam zur Beurlaubung des Cheftrainers, auch wegen der "Nebengeräusche". Die ersten 4 Spiele blieben sieglos bei nur 2 Punkten. Die Dienstreise zu Aufsteiger Zehlendorf wurde ebenso wie das Heimspiel gegen Vize Greifswald (1:2) verloren. Ausgerechnet beim CFC gelang der erste Sieg. Es war jedoch kein Beginn eines Höhenflugs: Nach 12 Spieltagen standen nur 11 Punkte und Platz 15 zu Buche – unbefriedigend. Defensiv enttäuschten vor allem die Pleiten bei Absteiger Viktoria (2:4) und gegen Halle (0:4). Solide waren das 1:1 in Erfurt und das 0:0 gegen Altglienicke. Bis zur Winterpause wechselten Licht und Schatten. Stark präsentierte sich das Team in Jena (2:1) und bei Hertha BSC II (4:0). Mager hingegen fielen die Spiele gegen Zwickau (0:2) und beim BFC (0:3) aus.
Die Ausgangsposition im Frühjahr 2025 war zumindest zum Klassenerhalt passabel: als 11. mit 8 Punkten Vorsprung auf den 17. Rang. Zu den 22 Zählern sollten 15 in 15 Spielen hinzukommen – mager. Dabei begann es gut gegen Zehlendorf (2:1); nach Greifswald (1:2) war jedoch Schluss für Andre Meyer. Dies wurde mit "Differenzen zur Ausrichtung des Vereins" begründet. Kritisiert wurde auch sein Engagement in der Baller League. Ronny Ermel kam als ehemaliger Co-Trainer. Unter ihm lief es bis Spieltag 29 einigermaßen: 7 Spiele – 2 Siege – 3 Remis – 2 Niederlagen. Stark das 3:1 gegen den Meister und gegen Viktoria. Der Sieg gegen die Berliner war am Ende entscheidend. Ein Polster von 9 Punkten zum Abstieg erschien sechs Runden vor Schluss eigentlich solide.
Danach ging es abwärts mit 5 Niederlagen, 3 davon im eigenen Stadion. Im Nachbarduell folgte das 1:2 gegen Hertha BSC II und das 1:4 gegen Jena. Enttäuschend war vor allem die Derbypleite gegen Luckenwalde (1:2). Auf Reisen gelang nichts – Niederlagen in Halle (0:2) und Zwickau (1:2). Zumindest der Abschied von Daniel Frahn erhielt einen würdigen Rahmen. Die Stimmung blieb dennoch kritisch. Besonders, da Landespokal und DFB-Pokal erneut verpasst wurden. Wieder war in Cottbus (2:3) in Runde 2 Endstation. Die Heimbilanz fiel mit nur 5 gewonnenen und 7 verlorenen Duellen unbefriedigend aus. Auch auswärts lag man ungefähr gleich: 4-5-8. 46:57 Tore bedeuteten offensiv solide Werte, defensiv jedoch zu viele Gegentore.
Delegierungen für diese Saison
Es herrschte viel Bewegung mit 12 Abgängen und 11 Neuzugängen. Die Unzufriedenheit mit der sportlichen Entwicklung des vergangenen Jahres spielte dabei eine nicht unwesentliche Rolle.
Innenverteidiger Charmaine Häusl (29) blieb in der Liga, der Nationalspieler der Seychellen wechselte zu Aufsteiger BFC Preußen. Es war die nächste Station im Nordosten nach BAK, Altglienicke und 03. „Sechser“ Andreas Pollasch (32/Luckenwalde) tat es ihm gleich. Wichtigster Abgang war zweifellos Daniel Frahn (38), der seine aktive Laufbahn beendete und Co-Trainer wurde. Er erzielte in 245 Pflichtspielen für die Potsdamer 120 Tore und gab 24 Vorlagen. Im Vorjahr waren es noch mal 16 Treffer in 29 Einsätzen. Rechtsaußen Andor Bolyki (31) kam erst im Januar 2025, war meist gesetzt. Der Ungar kehrte in seine Heimat zurück und spielt nun bei Zweitligist Kecskeméti TE. Gleiche Ausbildung hatte Tim Maciejewski (24), der nur ein halbes Jahr da war und Pollasch folgte.
Das waren die Akteure, die meist zum Stammkader gehörten. Bemerkenswert ist noch, dass Stanley Keller (23) den Durchbruch nicht schaffte und auf nur 4 Einsätze in der Anfangself kam. Er startet einen neuen Anlauf bei Hertha 03 Zehlendorf.
Im Tor und in der Abwehr
Im Tor gab es wenig Veränderungen. Cem Bagci (19) aus der eigenen U19 und Maximus Babke (21/Hansa Rostock II) dürften noch keine Kandidaten für die Nr. 1 hinter Yannic Stein (20) sein. Stein war kurzzeitig als „Leihgabe“ beim 1. FC Union, kehrte aber Ende August zurück.
In der Abwehr kamen als Innenverteidiger Niklas Kastenhofer (26/HFC) und Kenny Weyh (20/Hessen Kassel). Kastenhofer hatte in Halle keine Perspektive mehr. Weyh hingegen erhielt in der Südwest-Staffel beim KSV in 12 Spielen das Vertrauen. Zuvor spielte er in der Jugend von Rot-Weiß Erfurt und Dynamo Dresden. Dritter neuer Manndecker ist Nino Lessel (20/SC Staaken) aus der Oberliga Nordost Nord.
Mittelfeld und Angriff
Im Mittelfeld bringt Nils Schätzle (26/Meuselwitz) als „Achter“ Erfahrung aus seinen vorherigen Stationen in Bayreuth, Halberstadt und Kaiserslautern II mit. Im Vorjahr war er bei den Ost-Thüringern zeitweise Kapitän. Der Montenegriner Marko Perovic (19/U19) ist offensiver ausgerichtet.
Im Angriff galt es, Daniel Frahn zu ersetzen. Als Mittelstürmer gilt Luis Müller (24), der nach 5 Jahren aus den USA zurückgekehrt ist. Dort spielte er bei Drittligist Ventura County FC. Ausgebildet beim 1. FC Köln, wechselte er zu Lokalrivale Viktoria und 2020 zur U19 des FC Energie. In der MLS Next Pro erzielte er 7 Tore in 14 Spielen. Weitere Stürmer sind Linus Queißer (21/Eintracht Braunschweig II) und Alexander Georgiadi (19/Wolfsburg U19). Queißer wurde vom Zweitligisten ausgeliehen und durfte 2-mal für wenige Minuten in der 2. Bundesliga ran. Tino Schmidt (31) als Rechtsaußen schloss sich Schätzle an. Er ist ein „Heimkehrer“ und wechselte 2024 an die Glaserkuppe.
Die sportliche Leitung
Ronny Ermel (40) hat – wie beim Rückspiel im Vorjahr – das Sagen. Er konnte in den letzten 3 Spielen die sportliche Lage deutlich verbessern, nachdem er im Umfeld schon durchaus umstritten war. Mittlerweile lautet die Bilanz: 20 Spiele – 7 Siege – 4 Remis – 9 Niederlagen bei 37:32 Toren. Sein Vertrag läuft noch bis Saisonende. Als Co-Trainer unterstützen Daniel Frahn (38) und Johannes Lau (29). Letzterer ist seit 2019 als Coach bei 03, ab 01.03.2023 zudem Chef der Nachwuchsabteilung.
Nico Hinz (39) betreut die Keeper. Ex-Kicker Cem Efe (47) ist der Sportliche Leiter seit Beginn dieser Saison. Von 2013 bis 2017 war er bereits Cheftrainer.
Die aktuelle Saison bislang
Mit Platz 6 und 10 Punkten aus 6 Spielen dürfte man zufrieden sein. Vor knapp einem Monat sah das noch anders aus. Mit Platz 13 und zeitweisem Abstiegskampf in 2024/2025 war niemand erfreut. Aus den ersten 3 Spielen gab es nur 1 Punkt aus Meuselwitz (1:1). Dem standen 2 Heimniederlagen gegen Jena (1:4) und Zwickau (0:2) gegenüber. Das Spiel gegen den FSV bedeutete zudem die 4. Heimniederlage saisonübergreifend in Folge. Allerdings war bereits in dieser Begegnung ein positiver Trend sichtbar. Die Pleite war zumindest über weite Strecken der Partie eher unverdient.
Danach holte der SV die maximale Punktzahl in 3 Begegnungen. Beim „Krisen-Gipfel“ in Leutzsch gelang der Befreiungsschlag. Vom Ausgleich unbeeindruckt, stellte die Mannschaft bis in die Schlussminute auf 3:1. Der Sieg war gerechtfertigt, die Babelsberger im gesamten Spielverlauf bissiger und entschlossener. Gegen Staffelmitfavorit Greifswald kam 03 stark aus der Halbzeit und erzielte innerhalb von 15 Minuten ein 3:0. Der GFC schaffte lediglich Ergebniskosmetik und blieb gegen gut verteidigende Gastgeber erfolglos. Denk-würdig das Gastspiel beim allerdings indisponierten BFC Dynamo: 3 Tore innerhalb von 3 Minuten entschieden die Begegnung, das 4:0 war dann das „Sahnehäubchen“.
Eingedenk der beiden Siege im Landespokal stehen die Brandenburger bei 5 Pflichtspielsiegen in Folge. Gegen die SG Bornim aus der Landesliga Nord – wie der CFC im eigenen Stadion – hieß es 9:0. Wesentlich knapper wurde es am vergangenen Wochenende bei Schwarz-Rot Neustadt/Dosse, ebenfalls Landesliga. Der Außenseiter lag sogar in Führung, erst in Minute 75 gelang das Siegtor zum 2:1. 12:10 Tore bedeuten die immerhin viertbeste Offensive der Liga und die zehntbeste Defensive.
Das Spieler-Kollektiv
Im Tor kam Yannic Stein (20) doch noch einmal für eine Saison als „Leihgabe“ von Union – erst am 30.08.2025. Tendenziell dürfte er am Samstag im Tor stehen. Maximus Babke (21) wird vermutlich auf der Bank Platz nehmen. Cem Bagci (19) gilt als Nummer 3. Damit verfügen die Babelsberger über ein recht junges Torwart-Trio wie der CFC.
In der Abwehr wird normalerweise mit der Viererkette gespielt. Bei den Innenverteidigern gelten Niklas Kastenhofer (26) und Kenny Weyh (20/1) bislang als Stammkräfte. Routinier Philipp Zeiger (35) fiel zu Beginn aufgrund einer Schienbeinverletzung in der Vorbereitung aus. In den letzten 3 Spielen gehörte er zumindest wieder zum Kader und kam zu Kurzeinsätzen. Nino Lessel (20) wurde ebenfalls eingesetzt, jedoch nur sporadisch. Eine weitere Option ist der Kroate Darijan Silic (20), der derzeit verletzt ist. Klar feste Größe ist links Gordon Büch (29). Rechts hat sich Jannis Lang (23) erneut etabliert. Letztes Jahr wurde er von Hansa ausgeliehen und dann fest verpflichtet. Gebürtiger Potsdamer, kam 2015 von den Potsdamer Kickers nach Cottbus, später in die Jugend des VfL Wolfsburg, dann nach Aue und Rostock.
Zu Beginn der Saison wurde im Mittelfeld mit einer Doppel-Sechs agiert, zuletzt im 4-3-3. Marko Perovic (19) erhielt dabei das Vertrauen. Hinzu kam Maurice Covic (27), der mit dem Systemwechsel weiter vorne eingesetzt wird. Neuzugang Nils Schätzle (26) ist ebenso ein Fixpunkt und spielt seine Position. Verletzungsbedingt fallen hier Paul Wegener (25) und Leon Bürger (25) aus. In der offensiven Zentrale kann George Didoss (20) überraschen – 3 Tore und Vorlagen sind seine Bilanz. Damit war er an der Hälfte der Tore beteiligt. Auf ihn muss der CFC am Samstag besonders achten. Im Vorjahr war er bestenfalls Mitläufer. Jeremy Postelt (23) besetzt die rechte, Luca Dahlke (22) die linke Außenbahn.
Im Angriff musste Daniel Frahn (38) ersetzt werden. Das könnte in der Sturmmitte mit Luis Müller (24/3) gelungen sein. In den letzten 3 siegreichen Punktspielen traf er jeweils einmal. Er kann zudem auch auf den Flügeln eingesetzt werden. Weitere Alternativen sind Alexander Georgiadi (19) und Linus Queißer (23). Herausragend war beim 4:0 in Berlin gegen den BFC Dynamo Kapitän Tino Schmidt (31/4) auf Rechtsaußen, der mit einem „Doppelpack“ zum 2:0 den klaren Sieg einleitete. Auch hier gibt es einen Ausfall: Luca Schulz (26). Samir Werbelow (24) flog nach der glücklosen Startphase aus der Stammelf.
Das Aufgebot umfasst 25 Spieler, 3 mehr als bei uns. 23,7 Jahre liegt das Durchschnittsalter und damit unter unserem Wert von 24,8. Wie beim CFC gibt es Ausfälle von Stammspielern, allerdings hier noch etwas mehr. Diese konnte man in den letzten 3 Wochen jedoch gut kompensieren.
Krankenlager / Strafbank / Parteistrafen
Wie schon zu lesen war, gibt es doch einige Ausfälle. Darijan Silic fehlt seit Ende Juli wegen einer Knieverletzung. Leon Bürger musste sich Mitte Juni einer Knie-OP unterziehen, Rückkehr unbekannt. Paul Wegener pausiert zwangsweise wegen Schlüsselbeinbruch. Luca Schulz plagt sich mit einer Rückenverletzung. Alle 4 sind für Samstag keine Option.
Prognose
Entgegen den meisten Erwartungen und nach den ersten Spielen läuft es deutlich besser als im Vorjahr. Der Kader scheint qualitativ gut bzw. besser besetzt zu sein. Mit dem Abstiegskampf sollte man diesmal nichts zu tun haben. Denkbar ist ein Platz zwischen 9 und 11.
Bilanz gegen unseren Gegner
25 Begegnungen stehen in der Historie. Die Bilanz ist knapp zu unseren Gunsten mit 9 Siegen gegenüber 8 Niederlagen und eher unspektakulären 31:27 Toren. Das torreichste Duell fand im Frühjahr 2003 beim 2:4 in Potsdam statt. Ansonsten waren Treffer in den Partien meist rar. Die letzten 5 Treffen konnten wir leider nicht gewinnen: 1:1, 0:0, 0:1, 2:3 und 0:0.
Auswärts gingen wir 5-mal leer aus, durften aber 4-mal feiern. Im März 2025 gab es ein 0:0, zuvor gelang im November 2022 ein 2:0-Erfolg. Von damals sind nur noch Roman Eppendorfer, Robert Zickert und Chris Löwe beim CFC geblieben – ein Aktiver und zwei Funktionäre.
Das Umfeld / Wirtschaft / Stimmung
Die Vereinsspitze liegt derzeit im Clinch mit dem Landesverband. Die bekannten Vorkommnisse beim Landespokal-Duell gegen Erzfeind Cottbus – vor allem auf der Haupttribüne – und Pyrotechnik Richtung Gästeblock wurden mit einer Geldstrafe von 34.000 € sanktioniert. Zudem wurde die Teilnahme am Pokal diese und nächste Saison nur "unter Bewährung" gestattet. Bei weiteren Verstößen droht ein einjähriger Ausschluss. Die Klage dagegen wird nun ausgerechnet vor dem Landgericht Cottbus verhandelt. Der SV 03 hält die Strafe für "überzogen" und bemängelt die Höhe im Vergleich zu einem Viertligaverein. Zumal wirtschaftlich weiter auf Stabilität geachtet wird; deshalb wird das Ziel 3. Liga auch nicht ernsthaft verfolgt – ähnlich wie beim CFC. Das ewig junge und brisante Duell mit den Rot-Weißen Lausitzern bleibt der "Kassenschlager" im "Karli".
Das Pokalspiel sahen 5.303 Zuschauer an einem Freitagabend Anfang September 2024 – deutlich über dem Gesamtschnitt in der Liga, der bei 2.788 lag. Das bedeutete einen Rückgang gegenüber 3.137 aus der Saison 2023/2024. Ein Grund dafür war unter anderem der Wegfall des "Brandenburg-Classicos" – aber wohl auch die durchwachsenen Ergebnisse. Die meisten Besucher im Punktspiel kamen gegen den HFC (3.941), knapp vor dem 1. FC Lok, der 3.851 anzog. Allgemein sind es die Traditionsvereine, die viele Zuschauer ziehen; weniger hingegen Altglienicke: 1.833. Stand jetzt dürfen 10.787 Zuschauer Einlass erhalten. Heimstätte ist die Arena auch für den 1. FFC Turbine Potsdam und die American-Footballer Potsdam Royals. 2010 und 2011 wurde das Stadion für 8 Mio. € grundlegend saniert. Einzig ernsthaftes Hindernis für die 3. Liga wäre eine Rasenheizung. Der Vorstand hat, wie in der Politik mittlerweile fast überall üblich, eine Doppelspitze – hier mit Katharina Dahme und Kristian Kreyes. Dem Aufsichtsrat steht Frank Christian Hinrichs vor, Geschäftsführer eines Joint Ventures der DB Engineering & Consulting und Schneider Electric.