Nach der Pflicht wieder die Kür: zum Westsachsen-Derby …
von Timo Görner
… in die Stadt an der Mulde. Beide Vereine sind im Pokal weiter dabei, lösten ihre Aufgaben am letzten Wochenende unterschiedlich. Aber jeweils erfolgreich. Den CFC erwartet eine ganz schwere Prüfung bei der derzeitigen Heimmacht im Nordosten.
Die letzte Saison unseres Gegners:
2023/2024 galt auch beim FSV Zwickau als Spielzeit der finanziellen Konsolidierung, mit entsprechenden Abstrichen an den sportlichen Ambitionen. Vom sofortigen Wiederaufstieg in die 3. Liga konnte keine Rede sein. Ziel war der vorzeitige Klassenerhalt nach den folgerichtigen Abgängen ohne die Ressourcen zu adäquaten Ersatz. Die Aufgabe wurde gemeistert mit Platz 12, schon Mitte der Frühjahrsrunde 2024 war erkennbar, dass "nichts mehr anbrennt". Für das letzte Jahr wurden die Erwartungen wie bei uns dann schon etwas größer. Und wieder konnte geliefert werden, ging es hoch auf Rang 4 und fehlten nur 16 Tore zum Bronzeplatz. Hauptgrund die starke Heimbilanz mit nur 2 Niederlagen.
Dabei begann es wenig erfreulich mit 0:5 bei Aufsteiger Zehlendorf, 0:2 gegen Vizemeister Greifswald. Das Hinspiel bei uns wurde noch nicht der Start zur Trendwende, nach 7 Spielen standen 6 Punkte zu Buche. 2 mehr als beim CFC. Plauen wurde 3:0 besiegt, aber Pleiten gegen starke Gegner in Erfurt (2:4), gegen "Angstgegner" Altglienicke (0:3), bei Lok (2:3) kassiert. Bis zur Winterpause ging es aber aufwärts bei 26 Punkten aus 12 Begegnungen. Einziger Tiefpunkt 0:3 bei Hertha BSC II. Die Arena in Eckersbach eine Festung: 7 Heimspiele - 6 Siege. Dabei alle mit 1 Tor Unterschied, es ging knapp zu. Torreich gegen Zehlendorf (4:3), weniger beim BFC-Auftritt (1:0). Erfreulich zudem die 2:0-Reisen nach Babelsberg und Leutzsch.
So startete man als 4. in das Frühjahr 2025. 12 Zähler auf Tabellenführer Lok, aber dran an Platz 3. Und die Heimserie hielt, beim 2:2 gegen uns und 2:1 gegen den Meister. Bis zum Saisonende blieb die Mannschaft stabil, oben dabei. Nur 2-mal ging es ohne Zählbares vom Platz. In Halle und Meuselwitz (0:2). Stark die Leistungen gegen Erfurt (3:2) und in Jena (2:1). Im Gegensatz zur Startphase holten die Zwickauer nun auch Erfolge gegen die Mannschaften oben. Im eigenen Stadion der FSV drittbestes Kollektiv mit dem Saldo 12-3-2. Auf Reisen waren 6 besser, die Torbilanz mit 18:27 deutlich im Minus. 47:46 Tore insgesamt neuntbeste Offensive und zehntbeste Offensive – macht am Ende Platz 4. Etwas kurios. Einziger Wermutstropfen, der Sachsenpokal blieb unerreichbar. Im Achtelfinale setzte Landesligist VfB Empor Glauchau das Stoppzeichen (1:2).
Delegierungen für diese Saison:
10 Ab – und Neuzugänge dokumentieren einen mittleren Umbruch im größeren Bereich.
Linksverteidiger Lloyd-Addo Kuffour (23/SKU Amstetten) wechselte in die 2. Liga Österreichs. Rene Rüther (24/SV Heimstetten) auf Rechts war in der Herbstrunde 2024 noch feste Größe, dann außen vor. Jetzt in der Bayernliga Süd. Im offensiven zentralen Mittelfeld musste man Jahn Herrmann (24/Sandhausen) ziehen lassen. Er kam auf 10 Toren und 8 Vorlagen. Dazu beendete Kapitän Mike Könnecke (37) seine aktive Laufbahn. Bilanz beim FSV: 279 Spiele – 12 Tore – 23 Vorlagen seit 2016.
Die anderen spielten keine oder keine wichtige Rolle.
Für das Tor gab es 2 Personalien mit Jasper Kühn (22/Zehlendorf) und Clemens Boldt (19) aus der CFC-U19. Kühn bei Hertha 03 bis Ende März klar gesetzt, dann wegen Verletzung nicht mehr auf dem Platz. Einer aus der Torwart-Schule von Hertha BSC. Boldt bei uns in 2023/2024 mit 4 Einsätzen in der Regionalliga.
Einziger Neuer in der Abwehr war auf Links Josua von Baer (19), mit Boldt im "Doppelpack" gekommen als möglicher Ersatz für Kuffour.
Auf der "8er" Position heuerte der Brasilianer Gabriel Figurski Vieira (24/Zehlendorf) an. Till Jacobi (22) kam aus Luckenwalde. Für den Allrounder überwiesen man 10.000 € Ablöse. Mit Figurski Vieira verließ erneut ein torgefährlicher Leistungsträger den Vorjahres-Aufsteiger, 8 Tore. Daniel Haubner (26/7) ist zentral offensiv zu Hause, beim ZFC gute 11 Torbeteiligungen. Am 13.11.2025 dann der letzte Neuzugang, die Verpflichtung des erfahrenen Joshua Putze (30). Der "6er" war vertragslos, zuletzt 4 Jahre in Cottbus. Absolvierte 108 Einsätze für den FCE, zuvor 68 beim BFC Dynamo.
Im Angriff kam je einer für die Mitte, Rechts – und Linksaußen. In der zentralen Spitze agiert Cemal Sezer (29/Jena). Er bei Carl Zeiss mit nur 3 Spielen, aber immerhin 2 Toren. Stationen zuvor u. a. der VfB Lübeck und Altglienicke. Lennert Möbius (22/Eilenburg) wirbelt auf dem rechten und Nick Breitenbücher (22/Holstein Kiel II) auf dem linken Flügel. Er in der Nord-Staffel mit ordentlichen 9 Toren.
Der Kader dürfte nicht schwächer als im Vorjahr sein, eher stärker. Mit Figurski Vieira, Jacobi, Haubner, Kühn, Breitenbücher, Möbius kamen Akteure, die bei den Ex-Vereinen wichtig waren. Putze bringt einige Erfahrung mit.
Die sportliche Leitung:
Rico Schmitt (57) ging in seine 3. Saison als Cheftrainer. Die Bilanz: 92 Spiele – 44 Siege – 15 Remis – 32 Niederlagen. Unter ihm ging es in den letzten 2 Jahren aufwärts inklusive ein paar schwächerer Phasen. Sein Vertrag läuft noch bis Ende der Saison, vorzeitige Verlängerung nicht ausgeschlossen. Als Co-Trainer unterstützt ebenfalls seit 2023 Daniel Rupf (39).
Die Keeper coacht seit diesem Jahr Dennis Dickmann (28), von 2020 bis 2023 beim 1. FC Lok Leipzig aktiv. Ex-Kicker Robin Lenk (41) hat seit Juni 2023 das Sagen als Sportdirektor.
Die aktuelle Saison unseres Gegners bislang:
Die Heimstärke ist geblieben und wieder ging es holprig los. Dem 1:1 zum Auftakt der Liga gegen Titelverteidiger Lok folgte das 0:3 in Eilenburg. Wohl ein "Wachrüttler". Schon gegen Babelsberg wurde eine Reaktion gezeigt und erneut 2:0 triumphiert. Wenn verloren wurde, dann auswärts. Und da dreimal bei Berliner Vereinen, aber nur 2-mal in der Hauptstadt selber. Das 0:3 bei wie oben erwähnt "Angstgegner" Altglienicke fand in Fürstenwalde statt. Beim BFC gab es ein eher unglückliches 0:1, beim Gastspiel im Lankwitzer "Preußen-Stadion" des anderen Berliner Fußballclubs gaben die Rot-Weißen eine 2:1-Führung noch komplett zur Niederlage ab.
In Eckersbach ist der FSV seit Monaten ganz schwer zu packen, schon ein Remis war für die Gäste zuletzt ein Erfolg. Aktuell steht die Serie von 5 Siegen in Folge und das (fast) ohne Gegentor. Nur der schon damals taumelnde HFC konnte einen Treffer beim 1:2 verbuchen. Luckenwalde, Meuselwitz, Greifswald und der FCM II mühten sich vergeblich. Die letzte Pleite vor den heimischen Rängen kassierten die "Schwäne" am 30.08.2024. Also vor nicht ganz 1 Jahr und 3 Monaten. Und dennoch sind die Rot-Weißen "nur" Drittplatzierter in dieser Wertung hinter Lok und Jena. 10:2 Tore wurden erzielt, enorm effektiv damit 17 Punkte geholt. Weil die Abwehr eben steht. Will man ganz oben angreifen, muss auswärts mehr Ertrag her. Ein 2:0 wie in Erfurt bis zum Ende verteidigt werden. Der Saldo 2-2-4 ordnet die Truppe im Mittelfeld der Liga ein, 15 Gegentore sind untere Regionen der Liga.
Im Pokal ging es im Achtelfinale wieder nach Glauchau, diesmal im Duell Oberliga – Regionalliga. Am Ende wurde es noch mal spannend, wurde das 2:1 aber zum Abpfiff verteidigt.
Das Spieler-Kollektiv:
Im Tor bleibt Lucas Hiemann (26) klare Nr. 1. In allen Ligaspielen im Kasten, saisonübergreifend 47-mal in Folge. Im Sachsenpokal 1-mal vertreten durch Jasper Kühn (22). Clemens Boldt (19) ist noch komplett ohne Spielpraxis.
In der Abwehr wird die Viererkette gespielt. Als Innenverteidiger haben Maximilian Somnitz (22), Sonny Ziemer (24) die Nase vorn. Dahinter kommt Oliver Fobassam (22). Als Linksverteidiger kämpfen Sandro Sengersdorf (26/1) und Josua von Baer (19/1) um den Stammplatz. Beim 2:2 in Erfurt durfte von Baer von Beginn an auflaufen. Sengersdorf stand nicht im Aufgebot. Rechts sieht es deutlicher aus, Stammkraft hier Kilian Senkbeil (26), Jonas Dittrich (22) kommt nur sehr sporadisch in der Anfangself zum Zug. In Thüringens Landeshauptstadt hieß die Abwehrreihe Senkbeil – Ziemer – Somnitz – von Baer. So auch beim Pokalsieg in Glauchau.
Im defensiven Mittelfeld ist der Kasache Andrey Startsev (31) weiter Fixpunkt, Kapitän der Mannschaft. Helfen soll hier auch "Last-Minute-Neuzugang" Joshua Putze (30) mit seiner Erfahrung und Qualität. Debüt wohl am Samstag, erstes Spiel seit dem 10.05.2025. Gabriel Figurski Vieira (24) auf der "8er" Position ist verletzungsbedingt kein Eckpfeiler. Till Jacobi (22) kämpft auch noch um den endgültigen Durchbruch, kam aber zumindest auf 5 Einsätze als Stammspieler. Daniel Haubner (26/3) als Zuarbeiter für den Angriff kann zufrieden sein, überwiegend gesetzt und mit ordentlichen 6 Torbeteiligungen.
Stärkster Mannschaftsteil sicher der etatmäßige Angriff. Eine solide Spielzeit absolviert bislang Lukas Eixler (22) als der Mann hinter den Spitzen. 4 Tore und 5 Vorlagen sind eine gute Quote. Schon jetzt fast die Werte aus 2024/2025 mit 5 + 6. Zudem vielseitig im Sturm verwendbar. In der Mitte bleibt Marc-Philipp Zimmermann (35) weiter enorm wichtig, allerdings bislang keine feste Größe. Noch ohne Tor, zu allem Unglück derzeit verletzt. Spekulationen über einen Abgang beim FSV wurden aber erst vor ein paar Tagen eine klare Absage erteilt. Veron Dobruna (25/2) "knipst" vorzugsweise im Pokal, dort 3-mal erfolgreich. Cemal Sezer (25/1) und Felix Pilger (23) sind momentan wohl als Nr. 2 und 3 auf dem Posten zu sehen. Linksaußen stehen Theo Martens (22/2), Nick Breitenbücher (22/1) bereit. Auf dem rechten Flügel Lucas Albert (26) und Lennert Möbius (22) – dieser recht klar vorn.
Erfolgreichster Torschütze schon mit 4 Toren ist Eixler, erst auf Rang 4 kommt der nächste Angreifer mit Dobruna vor Somnitz (2). Die 20 Treffer verteilen sich auf 10 Torschützen. Also ohne den großen Torjäger derzeit. Bei uns sind es 7 Kicker für 23. Interessanter Fakt noch, wir bieten immerhin 16 durch die Angreifer erzielte Treffer. Grimaldi und Bozic kommen zusammen auf 11.
24 Spieler sind eines der eher kleineren Aufgebote, 2 mehr als wir. Beim Durchschnittsalter sieht es gleich aus, 25,0.
Krankenlager / Strafbank:
Jasper Kühn laboriert an einer Sprunggelenksverletzung, wie auch Marc-Philipp Zimmermann. Einsatz am Samstag wohl eher ungewiss. Gabriel Figurski Vieira zog sich Anfang September einen Kreuzbandriss zu, Ausfall noch bis Saisonende.
Prognose:
Platz 4 aus dem Vorjahr könnte man durchaus wiederholen, für den Angriff auf ganz oben reicht es aber zumindest dieses Jahr noch nicht. Das ist auch die Einschätzung der Verantwortlichen, für mehr müsste man personell wohl noch mal nachlegen und von einer derartigen Offensive wird die Leitung mit großer Sicherheit Abstand nehmen.
Bilanz gegen unseren Gegner:
Lt. meinen Quellen steht ein Jubiläum an, das 70. Duell des Westsachsen-Klassikers. Der Saldo spricht immer noch recht deutlich für uns mit 32 Siegen – 20 Remis – 17 Niederlagen bei 97:68 Toren. Im Vorjahr konnte der FSV seine Ausbeute etwas aufbessern mit dem 1:0 in Chemnitz und 2:2 im Rückspiel bei 3 Platzverweisen im Verhältnis 1:2.
In Zwickau könnten wir mit einem vollen Erfolg ausgleichen auf je 12 Siege und Niederlagen, stehen 39:40 Treffer. In unserer Stadt ist die Sache klar mit 21 Siegen gegen nur 5 Pleiten.
Das Umfeld / Wirtschaft/ Stimmung:
Die wirtschaftliche Lage bleibt schwierig, kennen wir ja selber. Die Konsolidierung schreitet aber voran, in eher kleineren Etappen. Aber Sorgen wie vor 2 Jahren müssen sich die Fans und Verantwortlichen so nicht machen. August 2025 konnte der Abbau von 2 Mio. € Verbindlichkeiten innerhalb von 2 Jahren vermeldet werden, ein Riesenschritt. Der letzte größere Posten von 250.000 € konnte durch Verhandlungen mit Gläubigern abgehakt werden. Dazu kamen höhere Einnahmen bei Ticketverkäufen, Sponsoreneinnahmen, Mitgliederbeiträgen. Neben einem weiteren strikten Sparkurs, bei Verzicht auf den ganz großen sportlichen Erfolg. Der aber ja auch nicht planbar ist. Die genannten 2 Mio. € sind 2/3 der damals aufgelaufenen Schulden. Also steht noch viel Arbeit bevor, ist der FSV noch nicht schuldenfrei. Und genau das ist und bleibt das Ziel der Chefetage.
Hilfreich ist und bleibt wie beim CFC der Zuspruch auf den Rängen. Im Vorjahr kamen im Schnitt 5.425 in die Arena im Zwickauer Norden. Platz 5 in der Zuschauertabelle. Fast der Wert davor mit 5.483. Aktuell begeistern sich wieder 5.450 pro Heimspiel. Trend also stabil. 3 zugkräftige Gäste haben bereits vorbeigeschaut mit Lok, Jena und Halle. Die Thüringer sorgten dabei für den bisherigen Zuschauerbestwert und mobilisierten 8.430. Lok rund 7.500 und Halle etwas mehr als 7.000. Mal schauen, ob das Westsachsen-Derby am Samstag das Gastspiel des FC Carl Zeiss toppt. Auch die 3.507 gegen Luckenwalde als aktueller Minusbesuch waren für einen Viertligisten ordentlich. Erfolge gab es zudem zuletzt an der Sponsorenfront. Ein überregionaler Sponsor mit einem sechsstelligen Betrag konnte Ende Mai überzeugt werden, damit die Kaderplanung zum Teil gesichert und zeitig gestartet werden. VW verlängerte sein Engagement um 3 Jahre. Der Etat für die Saison 2025/2026 wurde mit rund 4,1 Mio. € veranschlagt, davon knapp 1/3 für die Profis.