CFC nach kalter Dusche am Samstag gegen den Serientäter in Leipzig …
von Timo Görner
… beim 1. FC Lok. Der Meister ist seit fast 6 Stunden in der Liga ohne Gegentreffer und hat zu Hause zuletzt am 08.11.2024 verloren, gegen den CFC. Wir kämpfen am Mittwoch also gegen 2 Bestmarken an. Unter Flutlicht sahen wir bei den Blau-Gelben in den letzten Jahren besser aus als am Tageslicht. Gewannen letztens 2:1 und 2:0. Gutes Omen?
Die letzte Saison unseres Gegners:
Endete wie man weiß ebenso dramatisch wie unglücklich. Im Duell mit dem Staffelsieger Nord scheiterte Lok wie 2020 in der Relegation. Diesmal etwas deutlicher als damals, wo nur die zu dem Zeitpunkt noch geltende Auswärtstorregel dem heutigen Drittligisten Verl den Aufstieg bescherte. Einzig positiv, eben das befeuerte die Diskussion um eine gerechtere Aufstiegsregelung. Trostpflaster für die Blau-Gelben, mit dem Gewinn des Sachsenpokals gelang zumindest der Einzug in den DFB-Pokal 2025/2026. Das "Triple" mit Staffelsieg – Aufstieg – Landespokal am Ende aber unvollständig. Das wichtigste Puzzle-Teil fehlte.
In der Startphase Lok wie alle im Schatten der furios gestarteten Jenaer. Nach 5 Spieltagen standen 11 Punkte, 4 weniger als der FCC. Zu Hause gab es Punktverluste gegen Luckenwalde, den HFC (1:1). Auf Reisen gelang der Auftaktsieg bei Altglienicke (1:0). Knackpunkt für den weiteren Verlauf das "Schützenfest" bei Hertha BSC II (6:0). Beginn der Serie mit 8 Siegen. Lok als Spitzenmannschaft mit den Erfolgen in Jena (1:0), beim BFC (2:0). Der Rückstand in Meuselwitz wurde gedreht (3:1), auch der zweimalige Ausgleich der Zwickauer zu Hause am Ende beantwortet. Dazu gab es den ersten von 3 Derbysiegen gegen Chemie (2:0). Während Jena trudelte, zementierte Lok an Spieltag 13 mit 11 Punkten auf Halle die Tabellenführung.
Erst Greifswald setzte ein Stoppzeichen beim 1:1 an der Küste. Dem CFC blieb es vorbehalten, dem FCL die erste Niederlage beizubringen. Gelegenheit für die Verfolger, wieder ranzukommen. Halle konnte auf 7 Zähler verkürzen. Beeindruckt waren die Messestädter nicht so richtig, bis zur Winterpause wurden aus 4 Begegnungen 8 Punkte geholt. 3-mal ohne Gegentor. Ärgerlich das 2:2 in Luckenwalde bei einem "Kellerkind" – nach 2:0. Die Ausgangsposition dennoch sehr gut, 6 Punkte vor dem HFC. Schon 11 zum 3. aus Erfurt. Die Tabellenführung sollte in Leipzig bleiben.
Das Frühjahr 2025 begann auch optimal mit 4 Siegen, dabei das 1:0 beim "Gipfeltreffen" in Halle. Die Führung nach 7 Minuten wurde gut verteidigt, auch ein Elfmeter überstanden. Dominant die Auftritte in Eilenburg (3:0), gegen Hertha BSC II (4:1). Bei 1 Spiel mehr waren es nun 12 Punkte zu den Rot-Weißen. Für viele damals die Vorentscheidung. Dass es zum Ende spannend wurde, lag neben der Konstanz der Saalestädter an Patzern in Zwickau (1:2), Babelsberg (1:3), Zehlendorf (1:2). Auch das 1:1 bei uns mit zeitweise 11 gegen 9 nicht befriedigend. Es reichte aber zum 1. Platz. Auf Reisen Lok klar Nr. 1 mit 36 Punkten – 7 mehr als Halle. Im eigenen Revier diese erfolgreicher. 65:24 Tore stellten die zweitbeste Offensive und beste Defensive – knapp vor uns.
Delegierungen für diese Saison:
9 gingen, 10 kamen. Den großen Aderlass nach dem knapp verpassten Aufstieg gab es so nicht.
Linksverteidiger Ryan Adigo (24/SVG Freiberg) wechselte nach Südwest. Rechtsaußen Noel Eichinger (24) musste zum "Verleiher" Regensburg zurück. Er kam in Liga und Pokal auf 11 Treffer und insgesamt 24 Torbeteiligungen. Das die beiden einzig wichtigen Abgänge. Erwähnenswert noch, dass "6er" Zak Paulo Piplica (24) Lok nach 5 Jahren verließ, bei Kroatiens Zweitligist NK Jarun anheuerte. Dazu schaffte unser Ex-Kicker Theo Ogbidi (24/Cottbus) auf dem rechten Flügel den Aufstieg. Durchaus überraschend, denn er kam überwiegend von der Bank ins Spiel und nur auf 1 Torvorlage. Bei Energie bislang noch ohne Einsatz.
Die anderen spielten keine oder keine nennenswerte Rolle. Wäre Regensburg zweitklassig geblieben, dann hätten die Chancen, Eichinger verpflichten zu können, vermutlich besser gestanden.
Für das Tor wurde Marcel Bergmann (27/Emden) verpflichtet, bei den Kickers in der Nord-Staffel Stammkeeper. Tendenziell starke Nr. 2 hinter Andreas Naumann. In der Abwehr stießen als Innenverteidiger Jan Stein (22/Aschaffenburg), Pepe Böhm (18/RBL U19) dazu. Stein feste Größe bei Viktoria, die erste Station außerhalb. Ex-Verein von Jochen Seitz. Die Linksverteidiger David Grözinger (26/BFC Dynamo), Arne Rühlemann (20/Luckenwalde) kennen die Regionalliga Nordost bereits. Im Mittelfeld gelten Eren Öztürk (21/Karlsruhe), Christoph Maier (25/TSV Steinbach Haiger) als Offensivkräfte. Der Kosovare Rilind Kabashi (22/Kaiserslautern II) ist "6er" aus der Oberliga. Der Angriff sah 2 auf den Flügeln mit dem Nigerianer Ayodele Adetula (27/SV Rödinghausen) Links und Jonas Arcalean (28/FC Astoria Walldorf) Rechts.
Die Struktur der Neuen mit 8 klar Richtung Regionalliga. Bergmann, Stein, Arcalean, Grözinger, Rühlemann, Öztürk waren bei ihren Ex-Vereinen Stammkräfte. Grödzinger glänzte beim BFC mit 7 Vorlagen. Öztürk wurde 2023 aus der KSC-U19 zu den Profis berufen. Kam dort über 2 Kurzeinsätze nicht hinaus, war an Altglienicke verliehen. Konnte dort mit 4 Toren und Vorlagen überzeugen. Ein großes Talent. Christoph Maier hatte Verletzungspech, fiel 2-mal wochenlang wegen Schulterverletzung aus. Wenn fit, dann auch gesetzt. Arcalean könnte Eichinger adäquat auf Rechtsaußen ersetzen.
Die sportliche Leitung:
Im Trainerstab gab es keine Veränderung. Jochen Seitz (48) hat weiter das Sagen, sein Vertrag läuft noch bis Ende dieser Saison. Seine Bilanz: 46 Spiele – 31 Siege – 9 Remis – 6 Niederlagen, 98:38 Tore. Co-Trainer blieb Robin Hintz (30) neben Nico Wegmann (30). Er das bereits zuvor unter Seitz in Aschaffenburg. Tomislav Piplica (56) coacht weiterhin die Keeper.
Toni Wachsmuth (38) wurde Anfang August zum Geschäftsführer der Spielbetriebs GmbH ernannt, damit jetzt als Geschäftsführer Sport unterwegs und der Hauptverantwortliche im sportlichen Bereich. Silvio Schoenke (41) wirkt als Mannschaftsleiter. Für die Nachwuchsabteilung hat Mirko Herrmann (50) das Kommando.
Die aktuelle Saison bislang:
Das Drama von Havelse hat bislang keine Spuren hinterlassen. Lok ist gut gestartet, wieder oben mit dabei und vor allem defensiv weiter enorm stabil. Dabei waren die Ergebnisse der Testspiele zuvor in Eilenburg, Plauen (1:1) nicht berauschend. Der Auftakt gleich Gradmesser in Zwickau, wo man vergangene Saison verloren hatte. Der Rückstand 10 Minuten vor Ende wurde postwendend beantwortet, der Zähler mitgenommen. Lok die ersten 30 Minuten besser mit mehr und klareren Torchancen. Auch in Halbzeit 2 sahen die Besucher ein leichtes Übergewicht des Meisters. Fehlende Konsequenz in der Abwehr führte zum Rückstand. Im folgenden "Heimspiel-Doppelpack" gab es jeweils "Goldene Tore" durch Vereinsikone Djamal Ziane und Neuverpflichtung Ayodele Adetula. Der auch bei Hertha 03 Zehlendorf in Minute 75 das Siegtor erzielte. Das in Unterzahl. Alle Siege knapp, aber verdient. Lok saisonübergreifend seit 11 Punktspielen auf eigenem Platz ohne Niederlage bei 9 Siegen. Zuletzt ging der CFC am 08.11.2024 im "Bruno" als Sieger im Ligabetrieb vom Platz. Schalke musste sich in der 1. Runde des DFB-Pokals mächtig strecken, um am Ende mit 1:0 zu siegen.
Das Spieler-Kollektiv:
Andreas Naumann (32) dürfte weiter die Nr. 1 bleiben. Neuzugang Marcel Bergmann (27) sollte aber, wenn er ausfällt oder formschwach ist, solider Ersatz sein. Dazu kommt noch Niclas Müller (23), im Vorjahr im Sachsenpokal im Einsatz mit guten Leistungen. Derzeit allerdings verletzt. So oder so ist Lok auf der Position sehr gut aufgestellt. Müller kann auf immerhin 48 Spiele in der Nordost-Staffel für die Leipziger verweisen. Verdrängte auch unseren Ex-Keeper Isa Dogan von dessen Stammplatz. Hugo Eichler (18) aus der U19 ist derzeit eher Platzhalter für 3 Torhüter, kommt weiter in der U19 zum Zug.
In den ersten Spielen setzten die Trainer auf 4-4-2 mit Doppel 6. In der Abwehr haben als Innenverteidiger Lukas Wilton (30), Laurin von Piechowski (31) die besten Karten. Beide schon im Vorjahr feste Größen, Wilton zeitweise Kapitän. Jan Stein (23) durfte dann am Freitagabend ran, eine der Wechsel in der Startelf. Pepe Böhm (18) ist noch keine Option. Im Kampf um den Stammplatz als Linksverteidiger hat David Grözinger (26) die Nase vorn. Mit Vorlage gegen Meuselwitz. Arne Rühlemann (20) spielt noch keine Rolle. Linus Zimmer (22) - siehe Stein. Rechts bleibt Tobias Dombrowa (26) Fixpunkt. Damit hat sich im Abwehrverbund abgesehen vom Freitag wenig geändert.
Defensiv vor der Viererkette genießt Farid Abderrahmane (26) nach wie vor das Vertrauen, dazu seit 2020 beim 1. FC Lok mit 148 Spielen – 20 Tore, 9 Vorlagen. Die Doppel-6 wurde bislang durch Alexander Siebeck (33) und den Deutsch-Kroaten Dorian Cevis (24) komplettiert. Rilind Kabashi (22) konnte sich noch nicht empfehlen. Siebeck gilt als "8er", Eckpfeiler im Vorjahr mit 6 Treffern und insgesamt 11 Torbeteiligungen. Die rein offensiv ausgerichteten Eren Öztürk (21) und Christoph Maier (25) zählten vor Zehlendorf nicht zum etablierten Kreis. Öztürk stand dann dort in der Startelf, flog aber mit "Ampelkarte" vom Platz. Damit erstmal zumindest am Mittwoch raus.
Prunkstück des Kaders der Angriff. In der Mitte kann man auf Vereins-Ikone Djamal Ziane (33) bauen. Seit 11 Jahren da mit 132 Treffern. Weiterer Leistungsträger Torjäger Stefan Maderer (28), traf 2024/2025 16-mal. In den Relegationsspielen zum Pech der Blau-Gelben angeschlagen. Aktuell noch ohne Treffer. Luc Elsner (21) bleibt weiter die Reservistenrolle. Mit Ziane und Maderer hat unser Gastgeber fraglos ein Top-Duo auf dieser Position. Rechtsaußen erwies sich Pasqual Verkamp (27) als "Volltreffer", legte 15-mal auf. Nach "Rot" in Havelse gesperrt, gegen Meuselwitz mit Kurzeinsatz und bei Zehlendorf Anfangself. Von der Sperre profitierte Jonas Arcalean (28), "Matchwinner" gegen den ZFC. Weitere Alternative Malik McLemore (28). Verletzungspech nahm ihn Anfang April aus dem Rennen. Auch auf dem linken Flügel schaut es gut aus mit dem Südkoreaner Min-gi Kang (24) und Nigerianer Ayodele Adetula (27/2). Min-gi Kang Stammkader im Vorjahr mit 5 Treffern und 8 Torbeteiligungen.
26 stehen im Aufgebot, 4 Keeper aufgrund der längerfristigen Verletzung von Müller. 4 mehr als bei uns. 26,1 Jahre im Schnitt überbietet nur Meuselwitz. Relativ deutlich über Unseren mit 24,8. Mehrere aus dem Gerüst sind Ü30: Naumann, Wilton, von Piechowski, Ziane, Siebeck. Möglich, dass nach dieser Spielzeit eine "behutsame Verjüngung" erfolgt. Vertrag über 2026 hat hier nur Wilton. Ein qualitativ starker Kader für diese Liga, wo alle Positionen zweifach gut besetzt sind. Ausfälle einzelner wegstecken sollte. Eben das war vor dem Antritt von Seitz und Wachsmuth meist nicht der Fall.
Krankenlager / Strafbank:
Niclas Müller (Hüftverletzung) muss voraussichtlich noch bis Ende Oktober pausieren. Seit Ende Juli. Malik McLemore zog sich April einen Kreuzbandriss zu, Rückkehr wenn erst im Jahr 2026. Eren Öztürk sah am letzten Freitag "Gelb-Rot", damit für den Mittwoch gesperrt.
Prognose:
Der Kampf um Platz 1 dürfte wieder nur über Lok führen. Das Potential, bis zum Ende ernsthaft mitzuspielen, ist gegeben. Tipp: Platz 1-3.
Bilanz gegen unseren Gegner:
Es ist das bereits 82. Duell. Einer der Klassiker im Fußball-Osten wie wohl auch deutschlandweit. Dazu eines mit dem knappsten Saldo an Punkten und Toren.
Wir liegen hauchdünn vorn mit 32 Siegen gegen 31 bei 17 Remis und 136:136 Toren. In Leipzig konnten wir 13-mal jubeln, verloren 21 Begegnungen. Immerhin kassierten wir dort in den letzten 5 Gastspielen nur 1 Niederlage, die aber schmerzlich im Sachsenpokal-Finale 2023 mit 0:3. Davon abgesehen hieß es 2:1 – 2:2 – 1:1 und 2:0 im Vorjahr. In unserer Stadt gewannen wir 19 Partien, nach 10 Spielen entsprechende Freude auf Seiten der Blau-Gelben.
Das Umfeld / Wirtschaft/ Stimmung:
Das unglückliche wie dramatische Ende mit dem erneut verpassten Aufstieg in die 3. Liga war eine verständlicherweise herbe Enttäuschung. Hat den Verein aber weder wirtschaftlich noch moralisch umgeworfen. Auch die massiven Anstrengungen bei der Infrastruktur im altehrwürdigen "Bruno-Plache-Stadion" sollten nicht als umsonst angesehen werden, bringen sie den Club doch insgesamt weiter voran zu entsprechenden Rahmenbedingungen. Bereits Dezember 2024 gab es "Grünes Licht" für das seit 45 Jahren größte Projekt an der Arena. 2,7 Mio. € für einen Großfeldrasenplatz und Kleinfeldkunstrasenplatz, mit Ballfangzäunen und Beleuchtung. Der Freistaat steuerte 50 % bei, die Stadt 40 % der förderungsfähigen Kosten. Lok beteiligte sich mit 300.000 €. Eine Auflage des DFB für die 3. Liga war, wenn auch umstritten, die Rasenheizung. Am 30.06.2025 begann dann auch der Einbau dieser Anlage, dem Anliegen, mit einem Auswärtsspiel in die neue Saison zu starten, wurde stattgegeben. Die Fertigstellung erfolgte dann auch rechtzeitig.
Die Rasenheizung war mit dem Einzelposten von 1,5 Mio. € das Kernprojekt, aber nicht alles für die 3. Liga im "alten Bruno". Dazu kamen Erweiterung des Presseturms, Errichtung eines Pressecontainers, Errichtung von zusätzlichen Sitzplätzen. Weiterhin mussten die Wirtschaftsprüfer für die Erstellung der Lizenzunterlagen entlohnt werden und allein die Teilnahme an der Lizenzierung schlug mit 10.000 € zu Buche. Die Fanszene gab ihr Bestes. Der Verkauf von Rasenstücken vor dem Einbau der Heizung lief hervorragend, ebenso das Sammeln von Becherspenden und Zuflüsse auf das eingerichtete Unterstützerkonto. Ein Umzug nach Halle wurde seitens Behörden dort abgelehnt. Gründe wurde keine benannt, es dürfte aber am Land Sachsen-Anhalt gescheitert sein. Man munkelt von Bedenken wegen der Kostenübernahme für die Sicherheit der Spiele. Im vergangenen Spieljahr begrüßte Lok im Schnitt 5.565 Besucher, Platz 4. Deutliches Plus zu 4.207 davor. "Kassenschlager" natürlich das Stadt-Derby mit 10.503. Gegen Halle bevölkerten 8.180 die Ränge. Das geringste Aufkommen gab es gegen Altglienicke (3.571). Der eigentliche Rekord war das Pokal-Finale, wo 12.154 Einlass bekamen. Die ersten beiden Heimspiele gegen Altglienicke und Meuselwitz sahen etwas mehr als 5.000. Am Mittwoch sollte das doch deutlich überboten werden.