Aufraffen und Zeichen setzen nach den Tiefschlägen der letzten Wochen …
von Timo Görner
… nur das erwartet man vom CFC gegen ein weiteres Spitzenteam der Liga. Wenn die Szenerie vom angeschlagenen Boxer zutrifft, müsste es am Sonntag wieder aufwärts gehen. Die Gäste aus Thüringen mussten einen solchen zuletzt auch einstecken, das nach einem gewonnen Kampf gegen den Tabellenführer.
Die Saison unseres Gegners bisher:
Das Spiel vom letzten Freitag im "kleinen Thüringen-Derby" war ein herber Dämpfer für die Aufstiegshoffnungen nach dem verdienten Sieg beim Meister zuvor. Eine komplett unnötige Niederlage, vor der Pause klar dominierend wurden einige klare Torchancen fahrlässig liegen gelassen, auch wenn der Gäste-Keeper eine bärenstarke Leistung ablieferte, ein Ex-Jenaer. Es machte die Problematik dieser Saison deutlich, in bestimmten Spielen zu wenig Durchschlagskraft infolge einer zu ineffektiven Chancenverwertung. Dem FC Carl Zeiss Jena fehlt in dieser Spielzeit ein echter Torjäger. Ärgerlich, da man eine bislang gute Spielzeit bestreitet. Was vor der Saison nicht überall erwartet wurde.
Vor dem Hinspiel die Thüringer oben dabei, aus 8 Begegnungen 18 Punkte vielversprechend. Im eigenen Revier stimmte die Bilanz. 3 Siege ohne Gegentor und als Highlight Zehlendorf (4:0). Auf Reisen setzte die Mannschaft beim Auftakt in Babelsberg ein Achtungszeichen (4:1), auch mit dem torlosen Remis beim heimstarken FSV Zwickau konnten die Verantwortlichen leben. Die Niederlage wurde beim "Angstgegner" Altglienicke verbucht, fatal das 1:2 in Minute 90+5. Das Duell mit uns dann mehr turbulent auf den Rängen als auf dem Platz. Mit dem Sieg wurde der Spitzenplatz gefestigt, nach dem bereinigten Stand der FCC Tabellenführer. Lohn für das 1:0 im "Gipfel-Treffen" gegen Lok. 5 Heimspiele – 5 Siege und 10:0 Tore.
Der "Platz an der Sonne" ging dann bis zur Winterpause verloren. Der Meister mit der Konstanz der letzten Spielzeit und Jena mit ein paar Punktverlusten zu viel.
Nach dem Sieg gegen Lok kam man über ein 1:1 in Luckenwalde nicht hinaus, gleiches Ergebnis gegen Babelsberg zu Hause. Auch nicht zufriedenstellend. In Greifswald 3:1 vorn, hieß es am Ende 3:3. Schmerzlich die Derby-Pleite in Erfurt. Verschlief die Elf die 1. Halbzeit, geriet durch Doppelschlag 0:2 in Rückstand. Musste schon nach 50 Minuten alle Hoffnungen begraben. Das starke Niveau der Anfangsphase konnte nicht ganz gehalten werden. Positive vor allem die die Siege in Berlin beim BFC, Hertha BSC II (3:2). Vor dem Jahreswechsel sah es weiter gut aus, 5 Punkte auf Lok waren nicht unaufholbar im Frühjahr.
Die Bilanz 2026 durchwachsen. Beim Auftakt gegen Chemie (2:1) musste sich vor allem in Halbzeit 1 gemüht werden. In Eilenburg, ebenfalls beim Team im Abstiegskampf lief es nach Plan mit Führung. Dann drehte der Gastgeber das Spiel, konnte den Vorsprung aus Min. 37 verteidigen. Jena fiel wenig ein, trotz Dominanz. Gleiches Bild gegen Altglienicke, es fehlte die Torgefahr. So wurde das Gastspiel im Leipziger Südosten fast schon "letzte Chance" für ganz oben. Die genutzt wurde und wohl Freitag vergeben. Der FCC heimstark mit 27 Punkten aus 12 Spielen. Bis Freitag ohne Niederlage bei 8 Siegen, defensiv stabil mit 7 Gegentoren. Auf Reisen drittbeste Mannschaft, hier hinten etwas anfälliger (17). Offensiv (44) nur der Meister besser, defensiv reicht es auch noch für Rang 3. Klares Ziel natürlich der Landespokal, da steht am 29.03. das ewige Duell in Erfurt an.
Delegierungen seit dem Hinspiel:
2 Neue in der Winterpause wurden vermeldet, beide für die Offensive wo man offenbar nicht so richtig zufrieden war. Defensiv Jena im Herbst 2025 meist recht stabil, aber es fehlte vorn der "Knipser". Dazu verließ Kay Seidemann (25) den Verein, seine Verpflichtung erwies sich als Missverständnis. Sportlich lief es fast durchgängig mittelmäßig, dazu die Anfeindungen aus Teilen der Fanszene. Spätestens als man für das Trainingslager in der Winterpause auf ihn verzichtete, war dies abzusehen.
So kam mit dem Bosnier Amar Suljic (27/Homburg) ein Mittelstürmer aus Südwest. Kennt die Liga aus der Zeit 2022 - 2024 beim BFC Dynamo. In 1 ½ Jahren im Saarland 7 Tore in 36 Einsätzen. Unterstützung soll auch für ihn durch Linksaußen Nicolas Wähling (28) kommen. Ausgebildet beim KSC. Stationen danach Regensburg, Ulm, Cottbus, zuletzt der kanadische Erstligist Cavalry FC. Dort fast ständiger Wechsel zwischen Anfangself und Ersatzbank.
Die sportliche Leitung:
Volkan Uluç (56) hat nach wie vor das Sagen als Cheftrainer. Sein Vertrag endet in der kommenden Saison, er sollte derzeit nicht zur Diskussion stehen. Ex-Profi René Lange (37) fungiert weiter als Co-Trainer. Paul Küas (27) coacht seit August 2024 die Keeper. Der Serbe Miroslav Jovic (54) gibt als Sportdirektor mit die Richtung vor, maßgeblich für erneute Verpflichtung von Volkan Uluç verantwortlich und deshalb auch teilweise sehr in der Kritik. Insgesamt aber lag er da wohl nicht falsch. Als Geschäftsführer der "FC Carl Zeiss Jena Fußball Spielbetriebs GmbH" wirkt Patrick Widera (46).
Das Spieler-Kollektiv:
Im Tor ist Marius Liesegang (26) auch dieses Saison gesetzt. Till Härting (19) durfte in den 4 Pokalspielen ran, ein "Eigengewächs". Ob er auch in Erfurt im Pokal-Halbfinale im Tor stehen wird bleibt abzuwarten. Luis Ackermann (23) ist noch ohne Spielpraxis.
In der Abwehr gibt es die Viererkette. Bei den Innenverteidigern liegen Sören Reddemann (29/3) und mit Maxim Hessel (20/6) ein junger Akteur vorn. Hessel erfreut mit seiner Torgefahr. Schon im Vorjahr meist im Stammkader. Mittlerweile im Blickfeld anderer Vereine. Möglich das mit ihm ein weiteres Talent der sehr guten Nachwuchsabteilung den Club verlassen wird. Zumindest könnte man hier eine Ablöse einstreichen, da Vertrag bis 2027. Ebenfalls als Manndecker gilt Maurice Hehne (28), aber meist als "6er" aktiv. Links ist Malik Talabidi (24/1) Eckpfeiler, gute 4 Vorlagen. Vor Marcel Hoppe (22), Paul Krämer (20). Rechts führt kein Weg an Kapitän Nils Butzen (32/5) vorbei. Leistungsträger und Spitzenspieler der Liga, an 10 Toren beteiligt. Für Paul Kampe (20) gilt es noch, sich zu gedulden.
Zentral vor der Abwehrformation hat sich Moritz Fritz (32/2) empfehlen können, auch so erwartet. Dazu kommt Justin Schau (27), seit über 8 Jahren an den Kernbergen. 2012 aus der Jugend zu RBL und später Dynamo Dresden. Dann die Rückkehr. Aktuell 215 Spiele für den FCC. Lean Schoima (18), Jannes Werner (20) sind "Perspektivkader" wie Krämer und Kampe. Osazee Aghatise (23) spielt durch Verletzungspech keine Rolle. Für die offensive Ausrichtung gilt Patrick Weihrauch (32/1) als wichtig, gleicher Ex-Verein wie Suljic. Azubi in München bei 1860, FC Bayern. Später ging es nach Würzburg, Bielefeld, Dresden. 94-mal 2. Bundesliga für die Kickers, Arminia und Dynamo. Jona Kratzenberg (19) soll für die Zukunft eine Option werden.
Im Angriff fehlte bislang wie schon beschrieben der "Knipser". So reichen Mittelstürmer Manassé Eshele (27) 5 Tore in 16 Spielen für die Nr. 1. Derzeit aber außer Gefecht. Im Hinspiel 1 von 4 Torvorlagen. Für ihn kam zuletzt Winter-Neuzugang Suljic, bislang ohne Torbeteiligung. Alternative hier Emeka Oduah (23/3), Torschütze zum 2:1 in Leipzig. Rechtsaußen kann Kevin Lankford (27/4) überzeugen. Weiter Timon Burmeister (23/5). Beim Linksaußen stellt sich jetzt die Entscheidung zwischen Alexander Prokopenko (24) und Nicolas Wähling. Gegen den ZFC begann Prokopenko. Der Albaner Ledjon Fikaj (19) gehört nominell zum Kader. Eine Erwähnung verdient auf der Position Tristan Teuber (17), großes Talent der Nachwuchsschmiede. Offiziell U19 kam er in 2026 zu 3 Kurzeinsätzen bei 6 Berufungen in den Kader der Profis.
Bemerkenswert, die 44 Tore verteilen sich auf 13 Spieler. Rechnet man Kay Seidemann dazu auf 14. Bei uns 8. 26 Spieler inkl. 3 Keeper sind 3 mehr als beim CFC. 24,9 Jahre im Schnitt liegen unter dem Unsrigen (25,2). Auch hier gilt es, Talente an die Erste ran zu führen. Teuber, Schoima, Werner, Kratzenberg, Kampe. Bei Hessel hat dies perfekt funktioniert. Erforderlich auch oder vor allem aufgrund der wirtschaftlich Lage.
Die Transferbilanz:
13 kamen vor der Winterpause, 15 insgesamt. Von den 13 konnten sich Moritz Fritz (Viktoria Köln), Patrick Weihrauch (FC Homburg), Kevin Lankford (BFC Dynamo), Manassé Eshele (Halle) überwiegend als Stammspieler etablieren. Fritz und Lankford sind dabei wohl als "guter Griff" anzusehen. Der Rest spielte keine oder keine wichtige Rolle.
Die Bewertung relativiert sich aber doch erheblich. Till Härting und Sören Ackermann im Tor galten eher erstmal als Reserve hinter Liesegang. Schoima, Werner, Kratzenberg, Kampe kamen aus der U19, sprich auch nicht gleich als Stammspieler zu erwarten. Emeka Oduah (Kickers Emden) war bei den Ostfriesen auch durch vorherige schwerere Verletzung zuvor nur mit ganz wenig Spielpraxis. Osazee Aghatise bis Juli 2024 ohne Verein und Spiele, flog dann früh verletzt aus dem Kader. Fazit damit: eigentlich sogar ganz in Ordnung.
Gewinner der Saison bislang:
Für Moritz Fritz verlief die letzte Spielzeit in Köln auch durch Verletzungsprobleme unglücklich, in Jena feste Größe. Wenn auch eine Liga tiefer. Maxim Hessel könnte im Sommer den nächsten Schritt gehen und auch bei Nichtaufstieg des FCC in anderen Sphären wirken.
Krankenlager / Strafbank:
Für Osazee Aghatise ist die Saison bereits beendet, Kreuzbandriss. Manassé Eshele musste zuletzt wegen einer Schultereckgelenkssprengung mehrmals passen.
Prognose:
Für Platz 1 wird es am Ende wohl nicht reichen, auch mit den 2 Neuen bleiben wohl die Probleme. Tipp: Platz 3-4 hinter Halle und wenn es klappt vor Erfurt.
Bilanz gegen unseren Gegner:
85 Duelle gab es lt. meiner Quellen bislang. Jena führt nach dem Duell im Herbst mit 32 Siegen gegen unsere 25 und relativ klar bei den Toren: 92:123. Die Verhältnisse an beiden Spielorten sind noch deutlicher abgesteckt.
Erst in 4 Spielen holten die Thüringer einen Sieg in unseren Breiten, allerdings u. a. im letzten Gastspiel am 08.02.2025 mit 2:1 durch das Tor in Minute 85 durch Kay Seideman. In den 5 Partien zuvor blieben wir ungeschlagen mit 1:0 – 3:2 – 4:0 – 0:0. 19-mal verließen wir den Platz als Sieger. In Jena schaut es logischerweise erheblich anders aus mit dem Saldo 7-9-27.
Das Umfeld / Wirtschaft / Stimmung:
Ein verpasster Aufstieg zurück in die 3. Liga nach über 5 Jahren in der Viertklassigkeit würde dem Verein nicht den K.O. verpassen. Aber wäre schon hilfreich in wirtschaftlicher Hinsicht, denn wie beim CFC ist und bleibt es schwierig. Der FC Carl Zeiss Jena ringt seit ein paar Jahren um finanzielle Stabilität mit Erfolgen und Rückschlägen. Die Erfolge und Fortschritt auf der Einnahmenseite sind beachtlich und erfreulich. So konnte der Umsatz in den letzten 2 Jahren auf 7,5 Mio. € erhöht werden, wurde damit verdoppelt. Maßgeblich durch mehr Erlöse beim Sponsoring, Merchandising, den Transfererlösen und Ticketverkäufen. So wechselte Hamza Muqaj für 250.000 € zu Holstein Kiel, für Erik Weinhauer zahlte der Verein aus dem Lößnitztal 40.000 € Ablöse. Macht für Viertligaverhältnisse stattliche 290.000 €. Sollte Maxim Hessel wie zu vermuten ebenfalls gehen, dann könnte ein Betrag mindestens im soliden fünfstelligen Bereich eintrudeln. Sportlich sicherlich kein Grund zur Freude, aber momentan für die Thüringer unverzichtbar. Problematisch bleibt die Kosten bzw. Ausgabenseite. Vor allem die Aufwendungen für Infrastruktur, Organisation. Kosten an den Spieltagen durch die bekannte Sicherheitsproblematik. Ebenso viele langfristige Verträge im Kader, 15 im Team einen Kontrakt bis 2027.
Auf den Rängen hat der Zuspruch wie erwähnt auch geholfen. Mit 7.310 im Schnitt hat der Club einen Wert, der 8 der 3. Liga übertrifft. In der Regionalliga Nordost ist es Rang 2 hinter dem ewigen Erzrivalen aus der Landeshauptstadt. Ein Anstieg zu den schon sehr soliden 7.001 aus dem Vorjahr, deutlich zu 5.270 aus 2023/2024 und 3.873 in 2022/2023. Ein Grund das neue Stadion mit mehr Komfort und Besuchern aus der Kategorie abseits der Fanszene. Halle und Lok mobilisierten jeweils über 10.000. Der CFC auf Rang 4 bei auch noch beachtlichen 8.077. Im Frühjahr 2026 geben sich dann mit Zwickau und natürlich Erfurt am letzten Spieltag die Ehre. Beide mit Potential den Schnitt noch mal nach oben zu verbessern.
Schwierig bleibt das Verhältnis Fanszene – Stadt – Verein – Polizei. Für Konflikte sorgen Pyrotechnik und Fanmärsche, Sicherheitsmaßnahmen im Stadion, Hausverbote gegen Fans. Stadt und Verein geraten sich betreffs Hausrecht in die Wolle, Fans und Stadt/Polizei wegen der Punkte wie beschrieben. Es bleibt unruhig, nicht hilfreich für die Entwicklung des Vereins zurück in die 3. Liga. Denn um dort mitzuspielen, braucht es die Sicherheits- bzw. Nutzungsfreigabe der Stadt für das Stadion. Kernpunkt die strikte Trennung der Fanlager, welche momentan durch die Weigerung der Ultra-Szene in die Nordtribüne zu gehen nicht gegeben ist. Richtig spannend, ob im Fall des Aufstiegs dann weiter ein "Nein!" kommt.