Zurück in die Erfolgsspur auch in der Liga …
von Timo Görner
… bei der kriselnden U23 von Hertha BSC. Der CFC muss sich auf eine Mannschaft einstellen, die sich nach dem desaströsen Auftritt zuletzt rehabilitieren will und muss. In den letzten Jahren sahen wir bei den Charlottenburgern ganz gut aus, konnten seit 2019 3 Gastspiele dort gewinnen. Mit einem Sieg könnte man sich im einstelligen Bereich der Tabelle zurückmelden.
Die letzte Saison unseres Gegners:
Im 13. Jahr in der Regionalliga Nord/Nordost reichte es für die II. der "Alten Dame" zum 10. Weit weg von der Abstiegszone und Verbesserung zu Rang 13 davor. Das Saisonziel tabellarisch wurde erreicht, vorzeitiger Klassenerhalt. Der zweite Schwerpunkt wie immer das Heranführen von Talenten aus der U19 an den Herrenbereich. Sowohl zu Hause als auch auswärts die Mannschaft im "Niemandsland". Unbefriedigend die Defensive mit 63 Gegentoren, so war es aber auch zuvor mit deren 65. Bis Mitte der Herbstrunde konnte sich das Team oben platzieren. Legte hier wohl auch den Grundstein für die weitestgehend sorgenfreie Frühjahrsrunde 2025.
Nach 8 Spieltagen stand ein guter 4. Platz mit 15 Punkten, 10 mehr als wir. Einziger Tiefpunkt das 0:6 gegen Lok. Auswärts erfreuten die Siege bei Altglienicke (2:0), in Eilenburg (3:1). Auch das Derby gegen Viktoria wurde (3:1) gewonnen. Ärgerlich dagegen die Heimpleite gegen uns und Niederlage bei Aufsteiger Plauen (1:2). Nach den 8 Spieltagen ging es leicht abwärts. Aus den verbleibenden 10 Begegnungen ergaben sich 13 Zähler. Von Spieltag 13 bis 16 eine Ergebniskrise, die Charlottenburger ohne Punkte. Dabei 3-mal knapp (2:3) beim BFC und Meuselwitz, 1:2 gegen Chemie. Ausreißer die 0:4-Klatsche gegen Babelsberg. Wichtig ein 3:0 gegen Zehlendorf im "Hertha-Duell".
Vor den verbleibenden 16 Spielen im Frühjahr die Ausgangsposition günstig, 14 Punkte auf Abstiegsplatz 17. Der Auftakt beim CFC fiel der Witterung zum Opfer, fand Anfang April statt. So ging es erfolgreich gegen Absteiger Plauen (3:1). Wechselhaft sollte es weitergehen. Dem 1:4 bei Lok folgte das 7:1 gegen Eilenburg. Bemerkenswert, wie am Freitag steckte man vor dem Auftritt gegen uns im Negativlauf. Hertha II verlor 5-mal. Defensiv anfällig in Erfurt (1:4), gegen Altglienicke (2:4). Knapp ging auch das Rückspiel gegen Luckenwalde (0:1) verloren. Das Remis bei uns stoppte die Serie. Die Tendenz einschließlich dieser Spiele: 2 Siegen – 2 Remis – 8 Niederlagen. Zum Abschluss ein 0:4 bei Zehlendorf. Versöhnlich das 2:1 in Babelsberg.
Im eigenen Stadion (12.) gab es "Sekt oder Selters" mit 8 Siegen und Niederlagen. Auf Reisen (9.) der Saldo ähnlich 6-2-9. 55:63 Tore waren offensiv sehr solide als sechstbestes Team, defensiv "Rote Laterne". Sogar Schlusslicht Plauen war etwas besser (62).
Die sportliche Leitung:
Rejhan Hasanovic (33) hat nach wie vor das Sagen, der Bosnier ging in die 2. Saison als Chef der U23. Die Bilanz: 48 Spiele – 17 Siege – 10 Remis – 21 Niederlagen, 83:99 Tore. Als Spieler war er wie als Trainer bislang ausnahmslos in der Hauptstadt tätig. Zuletzt beim SV Bosna Berlin 1994 bis 2022. 2014 der Start der zweiten Laufbahn als Jugendtrainer beim BFC Dynamo. Als Co-Trainer unterstützen der Serbe Admir Hamzagic (39) und Tony Fuchs (35).
Die Keeper trainieren der Italiener Nello Di Martino (73) und Ilja Hofstädt (52). Alfred Bär (47) fungiert als Teammanager.
Die aktuelle Saison unseres Gegners bislang:
Begann mit 6 Punkten aus 6 Spielen. Und einem Spielausfall am Freitagabend gegen Meuselwitz, der ZFC steckte im Stau. Die Begegnung konnte nicht rechtzeitig angepfiffen werden, um den Auflagen der Nachbarschaft Genüge zu leisten. So der Auftakt in Jena (0:1). Die Reaktion wie erhofft mit 5:2 gegen Eilenburg. In Greifswald und bei Zehlendorf sowie gegen Zwickau beim turbulenten 3:3 wurden dann 3 Remis verbucht. Gegen den FSV der Punkt erst in der Schlussminute erkämpft.
Der erneute Heimsieg gegen den FCE sollte der bislang einzige volle Erfolg bleiben, schlossen sich 9 Spiele in Folge ohne Dreier an. Im eigenen Revier ging der Nachholer gegen die Thüringer (2:3) ebenso verloren wie das Gastspiel des 1. FC Lok. Der ballerte sich wie im Vorjahr mit Toren satt zum Sieg am Olympiastadion – diesmal 7:2. Legte nach 33 Minuten zum 3:0 auf. Nach dem 2:4 noch mal ein Einbruch mit 2 Gegentoren in der Nachspielzeit. Kleine Lichtblicke die Remis gegen den BFC (2:2) und defensiv stabil bei Preußen, gegen Erfurt. Tiefpunkt eine nicht ligataugliche Vorstellung vergangenen Freitag in Magdeburg. Beim 0:6 die Hertha-Bubis wie gegen Lok schon in Halbzeit 1 von der Rolle, nach 36 Minuten 0:4 hinten. Das Defensivverhalten "abenteuerlich", teils nicht vorhanden.
Auch die gravierenden personellen Probleme und ein durch Profis verstärkter Gegner wollte Hertha-Coach Hasanovic nicht als Ausrede gelten lassen. Unser Gegner steht am Freitag unter Druck, das Abrutschen in die Abstiegszone zu verhindern. 27 Gegentreffer mit 13 in den Partien gegen Lok und an der Elbe legen den Finger auf die erneute Wunde Defensive. 17 eigene Treffer sind hingegen durchaus gut. Immerhin 12 Teams haben weniger aufzuweisen.
Das Spieler-Kollektiv:
Der Kader ist momentan schwer auszurechnen und einzuschätzen. U23-Mannschaften unterliegen schon von vornherein einer gewissen Fluktuation infolge Abstellungen von oben oder nach oben, Einsätzen bei Länderspielen teils anderer Verbände zuzüglich Sperren und Verletzungen. Bei Hertha BSC II fließt derzeit im Grunde alles ein.
Bereits 4 Torhüter kamen zum Einsatz. In 6 Spielen durfte Maximilian Mohwinkel (21) ran, Marius Gersbeck (30) beim 0:0 gegen Erfurt. Fiel zuvor über 2 Monate wegen Schulterverletzung aus. Gehört zum Profi-Kader wie Konstantin Heide (19/4). In Magdeburg stand Mohwinkel im Tor. Gegen Lok Heide. Damit gab es hier ein Wechselspiel Heide – Gersbeck – Mohwinkel. Dennis Smarsch (26) war in 1 Spiel Nr. 1. 4. Keeper im Team Nash-Daniel Amankona (25). Wer gegen uns den Kasten bewacht, wird man sehen. Die Hertha-Profis spielen jedenfalls Samstag.
In der Abwehr ist Kapitän Mathis Bruns (21) eine der wenigen Konstanten, in allen Spielen in der Startelf. Ausgebildet beim 1. FC Union. Als Manndecker lief zuletzt auch Jaime Sherwood (19) auf wie Peter Matiebel (20). Dritte Größe Tim Hoffmann (20), 12 Minuten Spielpraxis in der 2. Bundesliga gegen Elversberg. Links konnte sich mit Yunus Ünal (17/1) ein U19-Spieler mehrfach beweisen. Stammkraft aber Eliyas Strasner (20). Rechts stehen Janne Berner (20), Anthony Traoré (20), der Slowake Peter Pekarík (38) bereit. Letzterer mit größerem Bekanntheitsgrad. 135 Länderspiele für die Osteuropäer, dazu die Stationen Wolfsburg, Hertha BSC, Kayserispor (Türkei).
Das System ist das offensive 4-3-3. Damit nur ein "6er". Fixpunkt hier zuletzt 6-mal der Schwede Bilal Hussein (25), in der Vita 2 Länderspiele für die Nordeuropäer. Der Ägypter Selim Telib (19) wäre hier auch noch eine Option. Seit 2017 beim BSC. Als "8er" spielt der Georgier Shalva Ogbaidze (23/2) eine solide Saison, dazu kommt der Este Soufian Gouram (20). Rein offensiv ausgerichtet sind Julius Gottschalk (20) und der Italiener Oscar Capoano (18). Beide aber aus verschiedenen Gründen keine Eckpfeiler.
Im Angriff gibt es, was den nominellen Status anbetrifft, ein Gedränge mit 11. Davon derzeit aber 4 nicht einsatzfähig. Was fehlt, ist ein "Knipser" mit entsprechender Quote. Linksaußen Dion Ajvazi (21/3) steht bei 5 Torbeteiligungen. Der Deutsch-Albaner ist U21-Kicker seiner Heimat, absolvierte 6 Spiele. Gleiche Ausbildung für Luis Trus (19). Schmerzlich hier der Ausfall von Joel Richter (26), der als erfahrener Kicker eine entsprechende Rolle übernehmen sollte. Oliver Rölke (20/2) steht für einen der Ausfälle. Timur Kesim (22), der Schweizer Oliver Schmidhauser (21) warten noch auf den ersten Einsatz als Mittelstürmer. Eine Alternative Chima Ishionwu (19). Den rechten Flügel bedienen Kapitän Änis Ben-Hatira (35), der Kameruner Jelani Ndi (18), Karim Bellomo (19/1), Elijas Aslanidis (19).
2 Punkte sind nicht verwunderlich. Der größte Kader mit aktuell 31 Spielern, das Durchschnittsalter bei 21,9 als jüngstes Team der Liga. Dazu ist Hertha BSC II wie schon in den Jahren zuvor eine "kleine Weltauswahl". 17 haben ausländische Wurzeln. Vertreten sind Georgien, Slowakei, Kamerun, Japan, Tunesien, Schweden, Italien, Albanien, Palästina, Griechenland, Türkei, Schweiz, Nigeria, Montenegro, Ägypten, England, Estland. Teilweise als U19 oder U21-Kader dieser Verbände.
Krankenlager / Strafbank:
Die personelle Situation ist angespannt, man muss mit einigen Ausfällen leben. Innenverteidiger Sebastian Weiland fehlt bereits seit Februar 2025.
Rechtsverteidiger Peter Pekarík muss seit Mitte September wegen einer Schulterverletzung pausieren. "10er" Julius Gottschalk steht wegen Muskelfaserriss nicht zur Verfügung. Neuzugang Joel Richter aus Jena fällt seit Mitte Juli aus. Rechtsaußen Jelani Ndi ist wegen Kreuzbandriss außer Gefecht, zumindest die Herbstrunde ist kein Thema mehr. Auch die beiden Mittelstürmer Oliver Rölke (Knie) und Timur Kesim (Muskuläre Probleme) konnten zuletzt nicht unterstützen.
Alles Spieler, deren Nichtverfügbarkeit weh tut. Ein nicht unwichtiger Grund für die derzeitigen sportlichen Probleme.
Prognose:
Trotz der aktuellen Negativserie sollte Herthas II am Ende wieder den Klassenerhalt schaffen. Die Verletzten kommen auch mal zurück, das Potential hat der Kader dann für bessere Ergebnisse. Tipp: Platz 11 bis 13.
Bilanz gegen unseren Gegner:
Hertha BSC II ist für uns fast schon eine "alte Bekannte". Immerhin gab es bereits 22 Duelle, die Bilanz dabei ausgeglichen mit je 9 Siegen auf beiden Seiten.
In der Hauptstadt konnten bis bislang 4-mal gewinnen, dabei die letzten beiden Duelle mit 5:0 und 1:0. Das nach zuvor 3 Niederlagen in Folge. 15:19 Tore fielen aus unserer Sicht. An der Gellertstraße konnten die Berliner erst in 1 Spiel alle Punkte mitnehmen, im Herbst 2005 beim 1:3. Insgesamt 34:31 Treffer sind verbucht.
Das Umfeld / Wirtschaft/ Stimmung:
Hertha BSC II ist die Konstante im Nachwuchssektor der Proficlubs aus Liga 1 und 2. Schon was die Ligazugehörigkeit betrifft, man gilt im Grunde als "Inventar" der Regionalliga im Nordosten und quasi als der "Dino" dieser Spielklasse. Ohne größere "Ausschläge" nach oben oder unten. Allenfalls unsere Aufstiegssaison 2018/2019 fällt spontan ins Gedächtnis, als man am Ende auf Platz 4 einkam. Zwar mit reichlich Rückstand auf den CFC, aber zeitweise im Gespräch als Aufsteiger, wenn man uns die Lizenz verweigert hätte. Der BAK hatte zumindest offiziell auf die Lizenzierung verzichtet, wäre noch Wacker Nordhausen geblieben. Die aber zu der Zeit, was niemand ahnte, quasi Richtung Insolvenz in solider Höhe taumelten. Auch ein Rückzug der II. Mannschaft war nie im Gespräch, auch als andere Vereine wie Bayer 04 Leverkusen oder Eintracht Frankfurt ihre U23-Mannschaften zurückzogen.
Die 3. Liga anzupeilen und dann auch zu stemmen, wäre angesichts der finanziellen Lage des Ex-Erstligisten eher unseriös. Dazu schätzen die Verantwortlichen die Regionalliga als gute Spielklasse zur weiteren Ausbildung und Heranführung von U19-Aktiven an den Herrenbereich. Ziel auch diese Spielzeit der vorzeitige Klassenerhalt.
Als Spielstätte hat sich mittlerweile das "Stadion auf dem Wurfplatz" etabliert, auch für die sog. "kritischen Spiele". In dieser Saison auch nicht mehr zu teilen mit Altglienicke. 1.100 dürften Platz nehmen, davon 750 überdacht. Der Rest kann sich auf die Stehplätze verteilen. Für den Zuspruch der Herthaner auch ausreichend. Der Schnitt liegt bislang bei 738, ziemlich gleich zum Vorjahr bei glatt 700. Der Wert von 2023/2024 bei 1.496 ergab sich vor allem aus dem letzten Spieltag gegen Energie Cottbus. 2024/2025 wurde es 4-mal vierstellig mit dem Rekordbesuch gegen Babelsberg - 1.207. Dahinter Halle, Jena und Lok. Tristesse hingegen gegen Eilenburg (258), Meuselwitz (284). Der CFC dürfte den "Kassenschlager" im Ortsderby beim Gastspiel des BFC Dynamo kaum toppen, der 1.062 motivierte.